Das Kind begann damit, ein Dutzend große Pillen samt der Schachtel zu verzehren, dann fiel es die Treppe hinunter und stand mit einer dicken blauroten Beule an der Stirn wieder auf, um sich sofort nach anderer Unterhaltung und Zerstreuung umzusehen. Es fand eine Glasbrosche mit Messingverzierung, zerbrach erst das Glas, verspeiste es und verschluckte dann das Messing. Hierauf trank es wohl ein Dutzend Eßlöffel voll starken Kampferspiritus und etwa zwanzig Tropfen Laudanum; wäre mehr dagewesen, es hätte noch mehr getrunken. Dann legte es sich auf den Rücken und steckte sich einen Spazierstock mit silbernem Knopf vier bis fünf Zoll weit in den Hals hinab, wo er so fest saß, daß die Mutter die größte Mühe hatte, ihn wieder herauszuziehen, ohne ein Stück von dem Kinde selbst mit herauszureißen. Dann verspürte es wieder Hunger nach Glas, brach ein paar Weingläser entzwei und begann die Scherben zu verzehren; daß es sich dabei verschiedene Male schnitt, machte ihm nichts aus. Ferner aß es eine Menge Butter, Salz, Pfeffer und Zündhölzchen; immer abwechselnd einen Löffel voll Butter, einen voll Salz, einen voll Pfeffer und drei oder vier Hölzchen. Nun wusch es sich den Kopf mit Seife und Wasser, aß die übrige Seife auf und trank soviel von dem Seifwasser, als es unterbringen konnte. Darauf spazierte es hinaus, faßte die Kuh vertraulich am Schwanz und erhielt von derselben einen Schlag mit dem Huf, daß es einen Purzelbaum schoß. Wenn diese ›Quelle der Freude‹ im Lauf des Tages gerade nichts anderes vorhatte, vertrieb sie sich die Zeit damit, auf Stühle und Tische zu klettern, herabzufallen und sich regelmäßig dabei weh zu thun. Trotz ihrer Jugend kann sie einzelne Wörter schon ganz deutlich aussprechen und da sie auch in anderer Hinsicht nicht hinter dem Berge hält, sondern dreist auf alles losgeht, eröffnet sie die Unterhaltung mit jedem Fremden, sei er männlichen oder weiblichen Geschlechts mit derselben Formel: »Wie geht's Jim?«

Da ich mit den Eigenheiten der Kinder im allgemeinen nicht vertraut bin, habe ich vielleicht Dinge als etwas Außergewöhnliches geschildert, die jedem, der in der Kinderstube Bescheid weiß, höchst alltäglich erscheinen. Indessen kann ich doch nicht glauben, daß dies wirklich der Fall ist, und wiederhole daher nochmals, daß mein Bericht über die Thaten dieses Kindes vollkommen mit der Wahrheit übereinstimmt; sollte irgend jemand hieran zweifeln, so kann ich ihm das Mädchen vorführen. Ich will mich auch dafür verbürgen, daß es alles verschlingen wird, was man ihm giebt (einen Amboß möchte ich allenfalls ausnehmen), und überall hinunterfallen, wo man es hinsetzt.

Aber ich sehe, daß ich zu weit von meinem Gegenstand abschweife, deshalb will ich nur noch einmal die Ueberzeugung aussprechen, daß nicht jedes kleine Kind ein Ausbund von Schönheit und eine Quelle ewiger Freude ist.


VI.
An einen gelehrten Fragesteller.

Ein Arithmetikus aus Virginia in Nevada schreibt: »Ich studiere mit Begeisterung Mathematik und finde es recht verdrießlich, daß mein Fortschritt unaufhörlich durch geheimnisvolle, technische Ausdrücke der Gelehrten gehemmt wird. Wollen Sie mir nicht gefälligst sagen, worin der Unterschied zwischen Geometrie und Conchologie besteht?«

Antwort: Bleiben Sie mir vom Leibe mit Ihren arithmetischen Rätseln, mir ist der Kopf ohnehin von einem Schnupfen eingenommen, der mich halb tot macht. Hätten Sie den Ausdruck von Hohn sehen können, der noch vor einem Augenblick meine Gesichtszüge verdüsterte und sofort vom Mittelpunkt aus durch mein letztes Niesen nach allen Seiten hin gesprengt wurde, wie ein zersplittertes Spiegelglas, Sie würden diese schimpfliche Frage schwerlich niedergeschrieben haben.

Die Conchologie ist eine Wissenschaft, die nichts mit der Mathematik zu thun hat; sie bezieht sich einzig und allein auf Schaltiere. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß ein Mann, welcher Austerschalen für ein Gasthaus öffnet, oder sich einer Wageschale bedient, Schalen mit Milch füllt, oder Eierschalen ausbläst, ein Student der Conchologie ist – diese feine sarkastische Bemerkung wird an einer so hohlen Hirnschale wie die Ihrige wohl verschwendet sein. Nun vergleichen Sie einmal die Conchologie und die Geometrie mit einander, da werden Sie sehen, was der Unterschied ist und die Antwort auf Ihre Frage finden. Aber martern Sie mich nicht wieder mit Ihren arithmetischen Greueln, bis Sie hören, daß ich meinen Schnupfen losgeworden bin. Mich erfüllt in diesem Augenblick der bitterste Haß gegen Sie, weil Sie mich auf solche Weise nörgeln und quälen, während ich vor Wut nur niesen und meine Taschentücher zu Atomen zerschnauben kann. Seien Sie froh, daß Sie nicht im Bereich meiner Nase sind. Es wäre mir eine wahre Genugthuung, Sie mit einem kolossalen Nieser in alle Winde zu blasen.