Während des ganzen Wahlkampfes wurde ich, beiläufig gesagt, von dieser Zeitung nie anders erwähnt, als mit dem Beifügen: »Der schändliche, meineidige Twain.«
Die ›Gazette‹ brachte nun zunächst folgendes:
»Anfrage. – Wird der neue Gouverneurskandidat die Güte haben, einige seiner Mitbürger, die ihre Stimmen nicht leichtsinnig abgeben wollen, über einen geringfügigen Umstand aufzuklären? Wie kam es, daß seine Schlafgenossen in Montana dann und wann kleine Wertsachen verloren, die jedesmal an Herrn Twains Person oder in seinem ›Koffer‹ (einem Zeitungsblatt, in welches er seine Habseligkeiten einzuwickeln pflegte) vorgefunden wurden, bis man sich endlich veranlaßt fühlte, ihm zu seinem eigenen Besten eine freundliche Verwarnung zu erteilen? Man theerte und federte ihn, ließ ihn auf einem Balken reiten und gab ihm schließlich den Rat, an dem Platz, den er gewöhnlich im Lager einnahm, eine bleibende Lücke zu lassen. Wird er dem Rate folgen?« –
Konnte man sich etwas ausgeklügelt Boshafteres vorstellen, zumal ich zu keiner Zeit meines Lebens in Montana gewesen bin?
Von da ab nannte mich dieses Journal nie anders als den ›Montana-Dieb Twain.‹
Ich kam so weit, daß ich mich fast fürchtete, eine Zeitung in die Hand zu nehmen; ungefähr wie jemand, der eine wollene Decke, die er nötig braucht, aufheben möchte, aber eine Klapperschlange darunter vermutet. Eines Tages las ich folgendes:
»Der Lügner ist entlarvt! – Durch die beschworenen Aussagen der Herren Michael O'Flanagan, Snub Rafferty und Catty Mulligan aus Five-Points und Water-Street[1] wurde festgestellt, daß Herrn Mark Twains schändliche Behauptung, als wäre der verstorbene Großvater unseres edlen Bannerträgers Blank J. Blank wegen Straßenraubs gehängt worden, eine gemeine, aus der Luft gegriffene Lüge ist. Für tugendhafte Männer ist es eine niederschmetternde Erfahrung, daß man zu solchen unehrenhaften Mitteln greifen kann, um einen politischen Erfolg zu erringen, daß man sich nicht scheut, die Toten noch im Grabe zu beschimpfen und auf ihren geachteten Namen Verleumdungen zu häufen. Wenn wir an den Schmerz denken, den diese elende Lüge den unschuldigen Verwandten und Freunden des Verewigten bereitet haben muß, sind wir fast versucht, das betrogene und beleidigte Publikum zu schneller, wenn auch ungesetzmäßiger Rache gegen den Verleumder aufzustacheln. Aber nein – überlassen wir ihn den Qualen eines gepeinigten Gewissens! – Sollte jedoch der Fall eintreten, daß das Publikum, von Leidenschaft übermannt, in blinder Wut dem Verleumder körperliche Mißhandlungen zufügte, so liegt es auf der Hand, daß kein Schwurgericht die Thäter für schuldig erklären, kein Richter sie strafen könnte.«
[1] Eine berüchtigte Gegend New Yorks, wo viel irisches Gesindel wohnt.