Der geschickt abgefaßte Schlußsatz bewirkte, daß ich noch in derselben Nacht in größter Eile aus dem Bette und zur Hinterthür hinausflüchten mußte, während das ›betrogene und beleidigte‹ Publikum vor dem Hause wütete und tobte wie brandende Meereswogen, in seiner gerechten Entrüstung beim Kommen Möbel und Fenster zerschlug und beim Gehen so viel von meinem Eigentum mitnahm, als es tragen konnte. Und doch kann ich meine Hand auf die Bibel legen und versichern, daß ich Herrn Blanks Großvater niemals verleumdet habe. Ja noch mehr – ich hatte bis zu jener Stunde seinen Namen nicht einmal nennen hören.
Gelegentlich will ich nur erwähnen, daß das Journal, welchem obige Mitteilung entstammt, mich von nun an immer als ›Twain, den Leichenschänder‹ bezeichnete.
Der nächste Zeitungsartikel, der meine Aufmerksamkeit erregte, lautete wie folgt:
»Ein netter Kandidat! – Herr Mark Twain, der gestern abend bei der Volksversammlung der Unabhängigen eine donnernde Rede halten sollte, glänzte durch Abwesenheit. Ein Telegramm seines Arztes meldete, daß er von einem durchgegangenen Gespann zu Boden geworfen worden sei und an einem doppelten Beinbruch in großen Schmerzen darniederliege, und so weiter, und so weiter, noch ein ganzer Haufen ähnlichen Unsinns. Die Unabhängigen gaben sich alle Mühe, die elende Notlüge hinunterzuschlucken und zu thun, als ahnten sie den eigentlichen Grund der Abwesenheit jenes Verworfenen nicht, den sie zu ihrem Bannerträger erkoren haben. Gestern abend sah man einen gewissen Menschen im Zustand viehischer Betrunkenheit in Herrn Twains Hotel hineintaumeln! Es ist unbedingt Pflicht für die Unabhängigen, zu beweisen, daß dieses zum Tier entwürdigte Geschöpf nicht Mark Twain selbst gewesen ist. Jetzt endlich sind sie gefangen – hier giebt es kein Entrinnen! Im Donnerton ruft die Volksstimme: Wer war der Mensch?« –
Unglaublich, völlig unglaublich, daß es wirklich mein Name war, den man mit diesem schmachvollen Verdacht in Verbindung brachte! Waren doch drei Jahre über mein Haupt dahingegangen, seit ich einen Tropfen Ale, Bier, Wein oder überhaupt ein geistiges Getränk angerührt hatte.
Es zeigt, wie abgestumpft ich schon mit der Zeit geworden war, daß ich es ohne Schmerz ertragen konnte, mich in der nächsten Nummer dieses Journals ganz selbstverständlich als Herr ›Delirium Tremens Twain‹ erwähnt zu finden, obgleich ich sicher sein konnte, daß das Blatt mit unwandelbarer Eintönigkeit fortfahren werde, mich bis ans Ende so zu bezeichnen.
Unter den Postsachen, welche ich täglich erhielt, begannen jetzt anonyme Briefe eine große Rolle zu spielen. Die Form derselben war meistens folgende:
»Wie war's denn mit die alte Bettelfrau, die Sie von Ihrer Dürschwölle mit Fußdritte wegjachten?