Plötzlich rief der Geistliche mit aller Kraft seiner Lunge in den Lärm hinein:
»Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren! – Nun singt! – Aber herzhaft!«
Und sie sangen. Triumphierend, mit gewaltigem Klang erscholl das alte, hehre Lob- und Danklied, die Töne stiegen und schwollen und schienen die Grundfesten des Gebäudes zu erschüttern. Tom Sawyer, der Pirat, blickte um sich, sah aller Augen auf sich gerichtet und fühlte, daß dies der stolzeste Moment seines Lebens sei.
Als die Gemeinde die Kirche verließ, meinten alle, von Herzen gerne würden sie sich noch einmal zum besten haben lassen, nur um ›Lobet den Herren‹ wieder so erhebend singen zu hören.
Das also war Toms großes Geheimnis gewesen: der Plan, mit seinen Spießgesellen heimzukehren und ihrem eigenen Trauergottesdienst beizuwohnen. – Auf einem alten Baumstamm waren sie abends nach dem Missouri-Ufer geschwommen, fünf oder sechs Meilen unterhalb des Städtchens gelandet, hatten in dem Walde, der die Stadt begrenzte, beinahe bis Tagesanbruch geschlafen, dann sich durch einige Seitengäßchen zur Kirche geschlichen, wo sie in der Empore ihren Schlaf vollendeten, inmitten eines Chaos von wackligen alten Kirchen-Bänken.
Beim Frühstück am Montagmorgen waren Tante Polly und Mary besonders zärtlich gegen Tom und voll Aufmerksamkeit gegen seine Wünsche. Man sprach ungewöhnlich viel. Im Laufe der Unterhaltung äußerte Tante Polly:
»Na, Tom, ich will nicht sagen, daß es für euch Jungens nicht ein Kapitalspaß gewesen sein muß, uns hier alle in Sorge und Kummer zu wissen, während ihr's euch da draußen wohl sein ließet. Daß du aber so hartherzig sein konntest, Tom, und mich so zappeln und mich grämen lassen, das, Tom, das hätt' ich doch nicht von dir gedacht! Wenn du hast herüber kommen können, um deine eigne Leichenrede zu hören, so hättest du mir vorher wohl auch 'nen kleinen Wink geben dürfen, daß du nicht tot seiest, sondern nur davongelaufen.«