»Hol's der Geier! 's muß wieder der falsche Platz sein. Was meinst du?«

»Sonderbar ist's, Huck, ich versteh's nicht recht. Manchmal steckt Hexerei dahinter. Vielleicht ist's jetzt auch hier so.«

»Dummes Zeug! Hexen haben am Tag keine Macht.«

»Wahr ist's, daran hab' ich nicht gedacht. Ach, jetzt weiß ich, was schuld ist! Was wir für einfältige Narren sind! Man muß ja doch erst wissen, wo der Schatten des Baumes um Mitternacht hinfällt, und da liegt der Schatz.«

»Na, dann hol's der Teufel! Dann ist ja die ganze Graberei umsonst gewesen. Hol's der Henker, alles mit'nander, müssen also in der Nacht den scheußlich weiten Weg noch einmal machen! Kannst du los kommen?«

»Freilich kann ich. Heut' nacht muß es jedenfalls sein, denn wenn einer kommt, und sieht die Wühlerei und die Löcher, dann weiß er gleich, was los ist, macht sich selber dahinter und schnappt uns am Ende die Bescherung vor der Nase weg.«

»Gut also. Ich werd' diese Nacht kommen und miauen.«

»Schön. Komm her, wir verstecken unsre Hacke und Schaufel im Gebüsch.« –

Zur festgesetzten Zeit waren denn auch die Jungen in der Nacht an Ort und Stelle. Wartend saßen sie im Schatten. Es war ein einsamer Ort und eine von Alters her feierliche Stunde. Geister flüsterten im raschelnden Laube, Gespenster lauerten in dunkeln Ecken und Winkeln, das dumpfe, tiefe Gebell eines Hundes erscholl aus der Ferne, dem eine Eule mit hohler Grabesstimme antwortete. Diese ahnungsvolle Feierlichkeit der Stunde lastete auf den beiden Jungen, sie sprachen wenig. Nach einer Weile, als sie dachten, nun müsse Mitternacht da sein, machten sie einen Strich, wo der Mondschein den Schatten des Baumes hinwarf, und begannen zu graben. Ihre Hoffnungen stiegen. Das Interesse wuchs, und der Fleiß hielt ehrlich Schritt. Das Loch wurde tiefer und tiefer, aber jedesmal, wenn sie die Hacke auf etwas Festes aufklingen hörten und ihnen das Herz voll freudiger Erwartung laut klopfte, war's nichts als erneute Enttäuschung. Ein Stein war's gewesen, oder ein alter Holzknüppel! Endlich sagte Tom: