»Das ist mir ganz einerlei. Eben ist sie auf meiner Seite der Linie und du sollst sie nicht anrühren, oder –«
»Na, wettst du, daß ich's thu'? Die Wanze ist mein und ich kann mit ihr machen, was ich will – hol' mich der und jener! Her damit, sag' ich!«
Ein saftiger Hieb sauste hernieder auf Toms Schultern, ein Zwillingsbruder desselben traf Joes Rücken; zwei Minuten lang waren die Jungen in eine Staubwolke gehüllt, die aus ihren Jacken aufwirbelte, zum ungeheuren Gaudium der ganzen Schule. Die beiden Sünder waren zu versunken gewesen in ihre Beschäftigung, um das verhängnisvolle Schweigen zu bemerken, das eingetreten war, als der Lehrer auf den Fußspitzen nach ihnen hinschlich und dann hinter ihnen stehen blieb. Er hatte eine hübsche Weile der seltenen Beschäftigung zugeschaut, ehe er sich erlaubte, seinen Teil zur Mehrung des Vergnügens beizutragen.
Als die Schule dann um Mittag aus war, flog Tom auf Becky Thatcher zu und wisperte ihr ins Ohr:
»Setz' deinen Hut auf und thu' als ob du heim wolltest. Wenn du an der Ecke bist, laß die andern laufen und komm durch's Heckengäßchen zurück. Ich mach's grad' auch so.«
So ging also jedes der beiden mit einem andern Haufen Kinder ab, am Ende des Heckenpfads trafen sie einander und als sie dann zusammen die Schule erreichten, hatten sie dieselbe ganz für sich allein. Sie setzten sich neben einander, nahmen eine Tafel vor und Tom führte Beckys mit dem Griffel bewaffnete Hand sorgsam mit der seinen und schuf ein neues erstaunliches Wunder von Haus. Als das Interesse an der Kunst etwas zu erlahmen begann, machten sich die zwei ans Plaudern. Tom schwamm in einem Meer von Wonne. Jetzt fragte er:
»Magst du Ratten?«
»Puh nein, ich kann sie nicht ausstehen.«
»Ich auch nicht – lebendige wenigstens. Aber tote, mein' ich, die man an eine Schnur bindet und um seinen Kopf schwingt.«
»Nee, ich mach' mir überhaupt nicht viel aus Ratten, so oder so. Was ich gern mag, ist Süßholz!«