Nochmals wiederholte der Indianer-Joe seine Aussage ebenso ruhig und bekräftigte dieselbe endlich ein paar Minuten später bei der Totenschau. Da immer noch keine Blitze herniederfuhren, sahen die Jungen ihren Glauben bestätigt, daß Joe sich dem leibhaftigen Gottseibeiuns verkauft habe. Er wurde ihnen nun zum Gegenstand des schauerlichsten, unheimlichsten Interesses, wie sie es bis dahin noch niemals empfunden, und ihre Blicke hingen wie gebannt an seinem Antlitz. Sie beschlossen innerlich, ihm nachzuspüren, des Nachts namentlich, wenn sich ihnen Gelegenheit dazu böte, in der stillen Hoffnung, einen verstohlenen Blick auf seinen schauerlichen Herrn und Meister thun zu können.
Der Indianer-Joe half die Leiche des Gemordeten auf einen Wagen heben, der dieselbe wegbringen sollte, und es ging ein Flüstern durch die Menge, daß die Wunde dabei leicht zu bluten begonnen. Huck und Tom hofften schon, dieser glückliche Umstand möchte den Verdacht auf die richtige Fährte lenken und fühlten sich daher sehr enttäuscht, als einer der Zuschauer bemerkte:
»Kein Wunder! Drei Schritt davon war ja der Potter, da hat's freilich bluten müssen!« –
Toms schreckliches Geheimnis und sein nagendes Gewissen störten ihm den Schlaf für länger als eine Woche nach diesem Vorfall. Eines Morgens beim Frühstück sagte Sid:
»Tom, du wirfst dich immer so herum und schwatzest so laut im Traum, daß ich die halbe Nacht nicht schlafen kann.«
Tom erbleichte und senkte die Augen.
»Das ist ein schlimmes Zeichen,« meinte Tante Polly ernst. »Was hast du auf dem Herzen, Tom?«
»Nichts, Tante, ich weiß von nichts.« Aber des Jungen Hand zitterte so, daß er den Kaffee verschüttete.
»Und so dummes Zeug redst du,« fuhr Sid fort. »Heute nacht hast du gesagt: ›Blut ist's, Blut und gar nichts andres!‹ Und das hast du immer und immer wieder gesagt. Und dann hast du auch gesagt: ›Quäl' mich doch nicht so – ich will's ja gestehen.‹ Was gestehen? Was willst du denn gestehen?«
Vor Toms Augen schwamm alles. Es läßt sich kaum ausdenken, was nun hätte geschehen können, wäre nicht plötzlich der forschende Blick aus Tante Pollys Auge geschwunden und sie Tom, ohne es zu wissen, zu Hilfe gekommen, indem sie ausrief: