Die alte Dame bückte sich nieder, Tom beobachtete sie mit von Furcht geschärftem Interesse. Zu spät erriet er, wo sie hinaus wollte. Der Stiel des verräterischen Löffels war eben noch sichtbar unter den Fransen der Tischdecke. Tante Polly griff darnach und hielt ihn empor. Tom schien verlegen und senkte die Augen. Tante Polly hob ihn ohne Umstände an dem gewöhnlichen Henkel, – seinem Ohr, – zu sich herauf und gab ihm mit der freien Hand einen gesunden Klapps.
»Jetzt, Junge, gesteh', warum hast du der armen, unvernünftigen Kreatur so mitgespielt?«
»Ich – ich hab's nur aus Mitleid gethan, – Peter hat ja keine Tante.«
»Hat keine Tante! – du Dummkopf. Was hat denn das damit zu schaffen?«
»Alles. Denn wenn Peter 'ne Tante hätte, so hätt' ihn die gewiß ausgebrannt, hätt' ihm die Eingeweide geröstet bei lebendigem Leib, ohne sich mehr dabei zu denken, als wenn er ein Mensch gewesen wäre.«
Tante Polly fühlte plötzliche Gewissensbisse. Das zeigte die Sache in einem neuen Lichte. Was Grausamkeit gegen eine Katze war, konnte doch vielleicht auch Grausamkeit gegen einen Jungen sein. Sie begann weich zu werden, es that ihr leid. Die Augen wurden ihr feucht, sie legte die Hand auf Toms Kopf und sagte sanft:
»Tom, ich hab's nur gut gemeint und – es hat dir auch gut gethan, Tom.«
Dieser sah ihr treuherzig ins Gesicht und nur ganz leise blitzte der Schelm ihm aus den Augen, als er im höchsten Ernste erwiderte:
»Ich weiß, daß du's nur gut gemeint hast, Tantchen, ich hab's aber auch mit dem Peter nur gut gemeint und dem hat's auch gut gethan, im Leben ist er noch nicht so hübsch herumgefahren –«
»Ach, heb' dich fort, Tom, eh' du mich wieder bös' machst. Und probier's doch mal, ob du nicht einmal ein braver Junge sein kannst; und – Medizin brauchst du keine mehr zu nehmen.«