Tom kletterte an Bord, und als Jim merkte, daß er’s wirklich war und nicht sein Geist, da herzte er ihn und gab ihm alle möglichen Kosenamen und tat, als wäre er vor Freuden ganz verrückt geworden. Als schließlich ein bißchen Ruhe eintrat, fragte ich:
»Worauf wartetest du denn, Tom! Warum kamst du nicht gleich wieder herauf?«
»Durfte ich nicht, Huck! Ich merkte, daß jemand bei mir vorbei plumpste, aber in der Dunkelheit wußte ich nicht, wer es war. Es hätte Jim sein können oder auch du, Huck Finn!«
Das war der echte Tom Sawyer – immer vernünftig! Er kam nicht eher nach oben, als bis er wußte, wo der Professor war.
Der Sturm hatte sich inzwischen zu seiner höchsten Gewalt entwickelt; es war fürchterlich, wie der Donner brüllte, wie die Blitze blendend zuckten, wie der Wind im Tauwerk heulte und pfiff und wie der Regen herniederströmte. In der einen Sekunde konnte man nicht seine Hand vor Augen sehen und in der nächsten konnte man die Fäden im Rockärmel zählen und sah durch einen Regenschleier eine ganze weite Wüste von rollenden schäumenden Wellen. Ein solcher Sturm ist das Prächtigste, was es auf der Welt gibt – aber nicht wenn man oben unter dem Himmel fährt, wo man in der Einsamkeit den Weg nicht weiß, wenn man bis auf die Haut durchnäßt ist, und gerade eben einen Todesfall in der Familie gehabt hat!
Wir saßen am Bugspriet zusammen gedrängt und sprachen leise vom Professor; und uns allen tat er leid, der arme Mann, den die Welt verspottet und hart behandelt hatte, während er ihr doch sein Bestes gab; und dabei hatte er keinen Freund oder sonst einen Menschen gehabt, um ihn zu ermutigen und ihn aufzuheitern, wenn die trüben Gedanken über ihn kamen, die ihn schließlich verrückt machten.
Am andern Ende der Gondel waren Kleider und Decken und dergleichen in Hülle und Fülle; aber wir ließen uns lieber durchnaß regnen als daß wir in jener Nacht etwas davon angerührt hätten.