Auf einmal fing Jim an zu schnarchen – zuerst sanft und süß, dann ein langes Sägen, hierauf ein noch stärkeres und dann ein halbes Dutzend ganz fürchterliche Schnarcher, wie wenn in ’ner Badewanne der letzte Rest Wasser in das Abflußloch hineingesaugt wird – hierauf dieses letzte halbe Dutzend noch einmal, aber noch stärker und mit etlichen Schnörkeln verziert, wie wenn ’ne Kuh in den letzten Zügen liegt – und wenn ein Mensch so schnarcht, so hat er den Höhepunkt der Leistung erreicht und kann einen aufwecken, der in der nächsten Straße mit ’nem Eimer voll Opium im Leibe schläft, aber er selber wacht nicht auf, obwohl der ganze gräßliche Spektakel keine drei Zoll von seinen Ohren entfernt ist. Und das ist, wie mich dünkt, das Allersonderbarste dabei. Aber reibe ein Streichholz an, um das Licht anzuzünden, und dieses leise Geräusch wird ihm in die Glieder fahren! Ich möchte wohl wissen, was der Grund hiervon ist, aber der läßt sich, wie’s scheint, nicht feststellen.
Unser Jim schnarchte also, daß er die ganze Wüste in Aufruhr brachte; auf Meilen in der Runde stürzten die wilden Tiere aus ihren Schlupfwinkeln hervor, um zu sehen, was denn da oben in der Luft los sei; kein Mensch und kein Tier und kein Ding war dem Lärm so nahe wie Jim selber, und doch war er in der ganzen Gegend das einzige Geschöpf, das sich nicht dadurch stören ließ. Wir schrieen und brüllten ihn an – nützte alles nichts; aber sowie ein leises ungewohntes Geräusch gemacht wurde, da wachte er auf. Wahrhaftig, ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen und Tom auch, aber wir haben’s nicht herausbringen können, warum ein Schnarcher sich nicht schnarchen hört.
Jim sagte, er habe nicht geschlafen; er habe bloß die Augen zugemacht, um besser zuhören zu können.
Tom sagte, ihm hätte ja niemand einen Vorwurf gemacht.
Da machte Jim ein Gesicht, wie wenn er wünschte, er hätte lieber gar nichts gesagt. Und ich glaube, er wollte die Unterhaltung auf was anderes bringen, denn auf einmal fing er an, über den Kameltreiber herzuziehen. Er ließ kein gutes Haar an ihm, und ich mußte ihm recht geben; und den Derwisch erhob er bis in den siebenten Himmel, und auch darin mußte ich ihm beistimmen. Tom aber sagte:
»Das weiß ich denn doch nicht so gewiß. Ihr nennt den Derwisch so fürchterlich freigebig und gut und selbstlos – aber ich bin davon nicht so ganz überzeugt. Er suchte in der Wüste nicht nach ’nem andern armen Derwisch, nicht wahr? Oder? Nee, fiel ihm gar nicht ein. Wenn er so selbstlos war – warum ging er nicht einfach selber in den Berg, nahm ’ne Tasche voll Juwelen ’raus und ging damit zufrieden weiter? Aber nein – was er suchte, das war ein Mann mit hundert Kamelen. Er wollte so viele Schätze fortschleppen, wie er nur irgend konnte.«
»Abers, Massa Tom, ihm wollten doch teilen – ehrliche halb und halb! ihm wollten bloß fufzig Kamele haben!«
»Weil er wußte, daß er sie schließlich doch alle hundert kriegen würde.«
»Massa Tom, er sagten abers zu die Mann, das Salbe täte ihm blind machen tun!«