»Natürlich nicht!«
»Schön! Nun ist aber doch beidemale das Feuer das gleiche. Warum brennt denn also die Tischlerwerkstatt, und die Pyramide nicht?«
»Weil die Pyramide nicht brennen kann.«
»Aha! Und ein Pferd kann nicht fliegen!!!«
»O du meine liebe Heiland! Da haben Huck ihm wieder! Diesmal haben Huck ihm richtig auf die Sand gesetzt – Junge, Junge! Un …«
Aber Jim mußte so furchtbar lachen, daß er beinahe erstickte und nicht weiter sprechen konnte, und Tom fuhr beinahe aus der Haut, als er sah, wie elegant ich ihn abgeführt hatte, indem ich seine eigene Beweisführung gegen ihn wandte und sie in Stückchen und Fetzen zerpflückte. Und er wußte nichts weiter zu sagen, als daß er jedesmal, wenn er Jim oder mich disputieren hörte, sich des Menschengeschlechts schämte. Ich sagte gar nichts mehr, aber ich war innerlich sehr mit mir zufrieden. Wenn ich jemandem auf solche Weise heimgeleuchtet habe, so ist es nicht meine Art ’rumzugehen und zu krähen, wie’s manche Leute machen, denn ich glaube, wenn er an meiner Stelle wäre, so wär’s mir auch nicht angenehm, wenn er über mich krähte. Es ist besser, man ist edel und hochherzig – das ist meine Meinung.
Dreizehntes Kapitel.
Nach einem Weilchen ließen wir Jim im Luftschiff allein in der Nähe der Pyramiden herumgondeln und wir selber kletterten bis zu dem Loch hinunter, durch das man in den engen Gang kommt. Wir nahmen einige Araber und Kerzen mit, und mitten in der Pyramide da fanden wir ein Gemach und einen großen Steinkasten drin, worin sie den König aufbewahrt hatten – genau wie der Mann in der Sonntagsschule es uns erzählte. Aber er war jetzt nicht mehr da; irgend einer hatte ihn mitgenommen. Ich hatte aber kein rechtes Vergnügen in dieser Kammer, denn es konnten ja natürlich Geister drin hausen – wenn auch gerade keine neuen, aber ich mag mit Geistern überhaupt nichts zu tun haben.
Wir gingen also wieder hinaus und mieteten uns ein paar kleine Esel und ritten ein Stück; dann fuhren wir ein Stück in ’nem Boot auf dem Nil, dann ritten wir wieder auf Eseln und so kamen wir nach Kairo. Und der ganze Weg war so wunderschön glatt und eben, wie ich nur je in meinem Leben einen Weg gesehen habe; auf beiden Seiten der Straße wuchsen große Dattelpalmen, und überall krochen nackte Kinder herum und die Menschen waren so rot wie Kupfer und feingebaut, kräftig und schön. Und die Stadt war ’ne Sehenswürdigkeit. Diese engen Straßen – es waren wahrhaftig nur Gäßchen – dicht gefüllt mit beturbanten Männern und verschleierten Weibern und alles in hellen, bunten Gewändern! Und man wunderte sich, wie die Kamele und Menschen in solchen engen Gäßchen beieinander vorbeikommen konnten – aber es ging. Aber zusammenpressen mußten sie sich wie Pökelheringe und dabei machten sie alle einen Heidenlärm. Die Läden waren nicht so groß, daß man in sie hineingehen konnte, aber das war auch gar nicht nötig: der Verkäufer saß mit übergeschlagenen Beinen nach Schneiderart auf seinem Ladentisch, rauchte seine lange Pfeife mit dem Schlangenschlauch und hatte all seine Sachen in Reichweite um sich herum.