»Welchen Plan?« fragte Tom.
»Die andern zu berauben.«
»Was – einer sollte alles nehmen, nachdem er es erst mit Hilfe der andern bekommen hatte?«
»So meine ich’s.«
Tom war ganz empört darüber; er sagte, es wäre der schändlichste, niederträchtigste Streich, von dem er je gehört hätte. Aber Jack Dunlap versicherte ihm, daß es in seiner Zunft nichts Ungewöhnliches sei. Wer sich einmal diesem Beruf gewidmet hätte, müßte selber auf seinen Vorteil bedacht sein, weil kein anderer Mensch das für ihn besorgen würde. Dann fuhr er in seinem Bericht fort:
»Es war natürlich schwierig, zwei Diamanten unter drei Leute zu teilen, das werdet ihr wohl einsehen. Hätten wir drei Diamanten gehabt, ja dann – – Aber, wozu noch weiter darüber reden; mehr als zwei waren es nun einmal nicht. So trieb ich mich denn in den Hintergassen umher und dachte nach, wie ich es wohl anstellen könnte, der Diamanten habhaft zu werden. War mir dies geglückt, dann wollte ich mich so verkleiden, daß mich niemand erkennen sollte, und auf und davon gehen. Ich kaufte mir zu diesem Zweck den falschen Bart, die blaue Brille und den bäuerischen Anzug, in dem ihr mich hier seht, und that alles in einen Reisesack, den ich mitgenommen hatte. Als ich vor einem Laden vorbeikam, in dem allerlei Waren feilgeboten wurden, sah ich durchs Fenster. Drinnen stand Bud Dixon, einer von meinen Spießgesellen. ›Ich will doch mal sehen, was der kauft,‹ dachte ich bei mir und verbarg mich, beobachtete aber alles genau. Na, was glaubt ihr wohl, daß er gekauft hat? – Doch das ratet ihr euer Lebtag nicht, Jungens. Nichts als einen winzig kleinen Schraubenzieher.«
»Wie sonderbar. Was wollte er denn damit?«
»Das fragte ich mich auch. Ich zerbrach mir den Kopf, konnte aber nicht ins reine kommen. Bei einem Trödler erstand er nun noch ein rotes Flanellhemd und zerlumpte Kleider; dieselben, die er jetzt anhat nach eurer Beschreibung. Nachdem ich das gesehen hatte, ging ich nach der Werft und versteckte meine Sachen auf dem Flußboot, mit dem wir fahren wollten. Als ich dann abermals durch die Straßen schlenderte, sah ich auch meinen andern Kameraden seine Einkäufe machen. Gegen Abend holten wir uns die Diamanten aus dem Hotel und gingen an Bord.
»Jetzt waren wir alle übel daran, denn wir durften uns nicht zu Bette legen; wie hätten wir sonst ein wachsames Auge aufeinander haben können. Es war nämlich schon seit ein paar Wochen böses Blut zwischen uns, und wir hielten nur zusammen, solange es das Geschäft erforderte. Zwei Diamanten für drei Personen, das war eben die Verlegenheit. Erst aßen wir zu Abend, dann rauchten wir und schlenderten dabei auf dem Deck umher bis gegen Mitternacht. Endlich gingen wir in meine Kajüte, schlossen die Thür zu, überzeugten uns, ob die Diamanten wirklich noch im Papier waren und legten sie auf die untere Koje, wo wir sie alle drei im Auge behalten konnten. Nun saßen wir stockstill und wurden immer schläfriger. Bud Dixon ließ sich endlich von der Müdigkeit übermannen; der Kopf sank ihm auf die Brust und er schnarchte, daß es eine Art hatte. Da deutete Hal Clayton zuerst auf die Diamanten und dann nach der Thür. Ich verstand ihn, streckte die Hand nach dem Papier aus und nahm es an mich. Wir warteten nun eine Weile, aber Bud schlief fort und regte sich nicht. Leise drehte ich den Schlüssel um und drückte auf die Klinke, dann schlichen wir auf den Zehen hinaus und machten die Thür geräuschlos hinter uns zu.