Von da ab waren wir fast immer bei ihm; meist schlief einer von uns in seiner obern Koje. Er hatte sich so schrecklich einsam gefühlt und es war ihm ein Trost in seiner Not, jemand um sich zu haben, mit dem er reden konnte. Wir brannten natürlich vor Neugier, hinter das Geheimnis zu kommen; aber Tom sagte, wir sollten uns ja nichts merken lassen, dann würde er einmal ganz von selbst anfangen davon zu sprechen. Wollten wir ihn ausfragen, so würde er gleich Argwohn schöpfen und verschwiegen sein wie eine Auster. Es traf auch genau so ein. Daß er uns alles gern erzählt hätte, merkte man ihm leicht an, aber jedesmal wenn wir dachten: jetzt kommt’s! überfiel ihn die Angst und er lenkte das Gespräch auf etwas anderes. Wir erfuhren’s aber doch noch, und das ging so zu: Er hatte angefangen, uns in scheinbar gleichgültigem Ton nach den Passagieren im Zwischendeck zu fragen, die heraufkamen, um sich am Schenktisch Branntwein zu kaufen; wir versuchten sie zu beschreiben, aber das genügte ihm nicht, er wollte alle Einzelheiten wissen. Tom gab sich die größte Mühe und als er bei der Schilderung eines der rohesten und zerlumptesten Kerle angekommen war, fuhr Jack Dunlap schaudernd zusammen.
»O Jemine, das ist einer von ihnen! Sie sind wahrhaftig an Bord – dachte ich mir’s doch! Ich hoffte, ich wäre ihnen entwischt, aber zweifelhaft war mir’s immer. Nur weiter!«
Als Tom nun noch einen andern groben und schäbigen Zwischendecks-Passagier beschrieb, ward Dunlap schreckensbleich. »O weh, das ist der zweite, was fang’ ich nur an? Hätten wir doch eine stürmische pechfinstere Nacht und ich könnte das Ufer erreichen. Aber sie haben gewiß jemand bestochen, den Stiefelputzer oder den Kofferträger, um mich zu bewachen. Gelänge es mir auch unbemerkt fortzukommen, so würde keine Stunde vergehen, bis sie es wüßten.«
Unruhig ging er auf und ab. Es dauerte gar nicht lange, da fing er an zu erzählen, wie es ihm bald gut bald schlecht ergangen sei, und ehe wir’s uns versahen, kam er ins rechte Fahrwasser.
»Wir hatten alles genau verabredet,« sagte er. »Es handelte sich um zwei wunderschöne Diamanten, so groß wie Haselnüsse, in einem Juwelierladen zu St. Louis, die von jedermann bewundert wurden. Wir zogen feine Kleider an und spielten den Streich bei hellem Tage. Die Diamanten ließen wir uns ins Hotel kommen, als ob wir sie kaufen wollten, wenn sie uns gefielen, und schickten dem Juwelier statt dessen zwei Glaspasten, die wir in Bereitschaft gehalten hatten, mit dem Bescheid zurück, die Diamanten seien nicht vom reinsten Wasser und wir fänden den Preis von zwölftausend Dollars zu hoch.«
»Zwölf – tausend – Dollars!« rief Tom. »Waren sie denn wirklich so viel Geld wert?«
»Keinen Cent weniger.«
»Und ihr habt euch damit aus dem Staube gemacht?«
»Ohne alles weitere. Der Juwelier weiß vielleicht heutigen Tages noch nicht, daß er bestohlen worden ist. Aber wir hielten es doch für unklug, in St. Louis zu bleiben. Wir überlegten hin und her und beschlossen nach dem Obern Mississippi zu reisen. Vorher aber wickelten wir die Diamanten in ein Papier, schrieben unsere Namen darauf und übergaben das Päckchen dem Hoteldiener mit der Anweisung, es keinem von uns wieder einzuhändigen, wenn nicht die beiden andern als Zeugen zugegen wären. Dann machten wir einen Gang in die Stadt, aber jeder für sich allein; ich glaube, wir hatten alle den gleichen Plan, obgleich ich es nicht gewiß behaupten will.«