Wir plauderten noch lange zusammen; dann holte er einen kleinen Reisesack herbei, öffnete ihn und bat, wir möchten nicht hinsehen. Wir drehten ihm den Rücken, und als wir uns wieder umwenden durften, war er ganz und gar verändert. Er hatte eine blaue Brille auf und einen langen braunen Knebel- und Schnauzbart, der ihm sehr natürlich zu Gesicht stand. Seine eigene Mutter hätte ihn nicht wiedererkannt. »Sehe ich jetzt noch meinem Bruder Jupiter ähnlich?« fragte er.
»Nein,« sagte Tom, »nichts erinnert mehr an ihn, außer Euer langes Haar.«
»Das lasse ich mir kurz scheren, ehe ich nach Hause komme. Er und Brace werden mein Geheimnis bewahren und ich kann als Fremder bei ihnen wohnen, ohne daß die Nachbarn Argwohn schöpfen. Wie gefällt euch mein Plan?«
Tom dachte eine Weile nach, dann sagte er:
»Huck und ich, wir werden natürlich kein Wort verraten, aber wenn Ihr nicht selber schweigt, so lauft Ihr doch Gefahr, erkannt zu werden. Es würde den Leuten auffallen, daß Eure Stimme genau so klingt, wie die von Jupiter, und dann erinnern sie sich vielleicht an den Zwillingsbruder, den sie für tot gehalten haben und der sich die ganze Zeit unter einem falschen Namen verborgen haben kann.«
»Alle Wetter, bist du klug!« rief er; »aber recht hast du. Ich muß mich taubstumm stellen, sobald ein Nachbar in meine Nähe kommt. Es hätte eine schöne Geschichte gegeben, wäre mir das nicht eingefallen. Aber ich wollte ja eigentlich gar nicht nach Hause, sondern nur an irgend einen Ort, wo ich vor den Burschen sicher bin, die mich verfolgen. Dann dachte ich den Bart und die Brille anzulegen, auch andere Kleider und – –«
Mit einmal lief er nach der Thür, hielt das Ohr daran und horchte. Er war bleich geworden und sein Atem flog.
»Es klang ganz als würde der Hahn einer Flinte gespannt,« flüsterte er. »Herr des Himmels, ist das ein erbärmliches Leben!« Matt und kraftlos sank er auf einen Stuhl und wischte sich den Schweiß von der Stirn.