»Wir sind zu Fuß durch den Wald gegangen,« sagte ich, »da sind uns Lem Beebe und Jim Lane begegnet und haben uns aufgefordert mit ihnen Heidelbeeren zu suchen; Jupiter Dunlap wollte ihnen seinen Hund dazu leihen, das hatte er ihnen gerade versprochen – –«
»Wo haben sie ihn gesehen?« fiel mir der alte Silas auf einmal so hastig in die Rede, daß ich verwundert dreinschaute und ganz verwirrt wurde, weil er mich mit durchbohrenden Blicken ansah. Aber ich nahm mich zusammen und antwortete: »Als Ihr mit ihm das Stück Land umgrubet, bei Sonnenuntergang.«
»Hm,« sagte er mit enttäuschter Miene und nahm weiter keine Notiz von mir, während ich fortfuhr: »Wir gingen mit, und – –«
»Schweig still mit deinem Unsinn, Huck Finn,« rief jetzt Tante Sally entrüstet; »wer hat je davon gehört, daß man bei uns im September Heidelbeeren pflückt und obendrein zur Nachtzeit? Was soll der Hund dabei – vielleicht die Heidelbeeren aufspüren?« –
»Sie sagten – sie hätten eine Laterne – –« stammelte ich.
»An dem allen ist kein wahres Wort. Ich weiß, ihr habt irgend einen dummen Streich gemacht, da müßte ich euch beide nicht kennen. Na, Tom, heraus mit der Sprache, nicht erst lange gefackelt!«
Tom nahm eine gekränkte Miene an. »Wie kannst du nur den armen Huck schelten, Tante, bloß weil er sich versprochen hat. Er meint natürlich Erdbeeren, wenn er Heidelbeeren sagt. Das weiß doch ein jedes Kind, daß man in der ganzen Welt – nur nicht hier in Arkansas – einen Hund und eine Laterne mitnimmt, wenn man Erdbeeren suchen geht.«
Nun riß aber Tante Sally der Geduldsfaden; sie wurde ernstlich böse und schüttete einen ganzen Schwall von Worten, die sie gar nicht schnell genug heraussprudeln konnte, über unsere schuldigen Häupter aus. Darauf hatte Tom aber wie gewöhnlich gerechnet. Er ließ sie sich immer in Zorn reden und schwieg mäuschenstill, bis ihre Hitze verflogen war; dann wollte sie meist vor Aerger keine Silbe mehr über die ganze Angelegenheit hören. So kam es auch diesmal. Als sie sich heiser gesprochen hatte und einen Augenblick Atem schöpfen mußte, sagte Tom in aller Seelenruhe:
»Und trotzdem weiß ich doch, Tante –«
»Schweig’ still,« rief sie; »du thust den Mund nicht mehr auf, das sage ich dir!«