»Und kriegen die Diamanten?«
»Versteht sich. Eines schönen Tages wird man eine hohe Belohnung dafür bieten – wenigstens tausend Dollars. Und das ist unser Geld. – Jetzt komm ins Haus; aber von den Räubern, den Diamanten und dem Mord weißt du keine Silbe – das merke dir.«
»Wie sollen wir es aber Tante Sally erklären, wenn sie fragt, warum wir erst so spät kommen und wo wir so lange geblieben sind?«
»Das überlasse ich dir; du wirst schon eine Ausrede finden.«
Das sah Tom ganz gleich. Er war viel zu wahrheitsliebend um selbst eine Lüge zu sagen.
Wir gingen nun quer über den Hof, wo wir zu unserer Freude alles unverändert fanden, und kamen in den bedeckten Gang zwischen dem Holzschuppen und der Küche. Da hingen noch mancherlei Gegenstände, die wir kannten, unter anderm auch Onkel Silas’ grüner Arbeitskittel mit der Kaputze und dem weißen Flicken zwischen den Schultern, der immer aussah, als hätte ihn jemand mit ’nem Schneeball geworfen. Rasch drückten wir auf die Klinke der Stubenthür und traten ein.
Tante Sally wirtschaftete im Zimmer herum; in einer Ecke saßen die Kinder auf einem Häufchen, in der andern las der Onkel im Gebetbuch. Tante fiel uns gleich vor Freuden um den Hals, dann zauste sie uns bald an den Haaren, bald drückte sie uns ans Herz, während ihr helle Thränen über die Backen liefen, so froh war sie, uns wiederzusehen.
»Wo habt ihr Taugenichtse euch denn so lange herumgetrieben?« rief sie. »Ich hab’ mir um euch schier die Seele aus dem Leib geängstet. Eure Siebensachen sind schon vor ’ner Ewigkeit angekommen, und viermal hab’ ich das Essen wieder aufgewärmt, damit ihr nicht zu warten braucht. Die Haut sollte man euch über die Ohren ziehen. Aber nun setzt euch nur, ihr müßt ja halb verhungert sein; setzt euch, ihr armen Jungen, und laßt’s euch schmecken.«
O, wie behaglich saß sich’s dort an der reich besetzten Tafel! Onkel Silas sprach sein längstes Tischgebet und bald stand ein aufgehäufter Teller an meinem Platz. Als ich gerade im besten Schmausen war, fragte die Tante plötzlich, wo wir denn gewesen wären.
Ich hatte mir’s schon zum voraus überlegt: