[9] Nach einer wahren Begebenheit, die Carlyle in seinen Letters and Speeches of Oliver Cromwell erwähnt.

M. T.

Es war zur Zeit Oliver Cromwells. Oberst Mayfar, der jüngste Offizier dieses Ranges im Heere des Protektors, war erst dreißig Jahre alt, aber trotz seiner Jugend doch ein Veteran, wetterfest und kriegsgewohnt, denn er hatte schon mit 17 Jahren seine militärische Laufbahn begonnen. In vielen Schlachten hatte er gefochten, war von Stufe zu Stufe gestiegen und hatte sich durch Verdienste im Feld nicht nur die allgemeine Achtung, in der er stand, sondern auch seine Stellung im Heere erworben. Aber jetzt bedrückte ihn große Sorge; ein Schatten war auf sein Glück gefallen.

Der Winterabend war hereingebrochen; draußen stürmte es in der Dunkelheit; drinnen ein melancholisches Schweigen. Der Oberst und sein junges Weib hatten über ihre Not und Sorge gesprochen, hatten ihr abendliches Bibelkapitel gelesen und das Abendgebet gesprochen. Jetzt blieb nichts mehr zu tun übrig, als Hand in Hand ins Feuer zu blicken und nachzudenken und – zu warten. Lange würden sie nicht zu warten haben; das wußten sie, und die Frau schauderte bei dem Gedanken.

Sie hatten ein Kind – Abby, 7 Jahre alt; es war ihr Abgott. Sie wußten, es würde sogleich zum Gute-Nacht-Kuß kommen, und der Oberst sagte:

»Trockne deine Tränen und laß uns glücklich scheinen – ihr zulieb. Wir müssen für den Augenblick vergessen, was uns bevorsteht.«

»Ja, ich will es versuchen. Ich will versuchen, ob ich den Gram in mein Herz verschließen kann, ohne daß es bricht.«

»Und wir wollen auf uns nehmen, was uns zu tragen bestimmt ist, mit Geduld, und nicht vergessen, daß alles, was Er tut, wohl getan ist und zu unserem Besten …«

»Sein Wille geschehe! Ja, ich kann es mit gläubiger Seele sprechen – ich wollte, ich könnte es auch von ganzem Herzen sagen. O, wenn ich das könnte! Aber der Gedanke, daß diese liebe Hand, die ich zum letztenmal drücke und küsse – – –«