»Still, mein Schatz, sie kommt.«
Eine kleine Gestalt mit lockigem Haar kam im Nachtkleid zur Tür herein und sprang auf den Vater zu, der das Kind an seine Brust drückte und leidenschaftlich küßte, ein, zwei, drei Mal.
»Halt, Papa, du darfst mich nicht so arg küssen; du zerzausest mir meine Haare.«
»Ach, das tut mir aber furchtbar leid; vergibst du mir, mein Liebling?«
»Ei natürlich, Papa. Aber ist’s dir wirklich leid? Tust du nicht bloß so, sondern bist du im Ernst traurig darüber?«
»Du wirst’s gleich selber sehen, Abby,« sagte der Oberst, bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen und tat als ob er schluchzte. Das Kind erschrak über diese tragische Wendung, die es verursacht hatte, fing selber an zu weinen, mühte sich, dem Vater die Hände von den Augen zu ziehen und rief:
»O, nicht weinen, lieber Papa! Abby hat es nicht bös gemeint; Abby will’s nie, nie wieder tun. Bitte, Papa!« Sie zog an den großen Händen und versuchte, sie auseinanderzuschieben. Dabei erspähte sie zufällig ein Auge hinter denselben und rief: »O, du böser Papa, du hast ja gar nicht geweint; du hast mir bloß ’was vorgemacht! Und Abby geht jetzt zur Mama; die behandelt Abby besser.«
Sie wollte von seinem Schoß klettern, aber ihr Vater schlang die Arme um sie und sagte: »Nein, liebes Kind, bleibe bei mir; Papa ist unartig gewesen, aber er gesteht es ein, und es tut ihm leid – komm, laß ihn deine Tränen wegküssen – und er bittet dich um Verzeihung, und will zur Strafe alles tun, was Abby sagt; so, jetzt sind sie alle weggeküßt und keine einzige Locke zerzaust – und was Abby befiehlt – –«
Sogleich trat wieder lachender Sonnenschein auf des Kindes Gesicht; es streichelte seinem Vater die Backen und nannte die Strafe: – »Eine Geschichte, eine Geschichte!«
Horch!