»Da Papa – – und diese zwei sind für die beiden andern. Ich glaube doch, sie würden sich von mir küssen lassen; ich würde sagen: ›Mein Papa ist auch ein Oberst, und sehr tapfer; er würde ganz ebenso gehandelt haben wie ihr, und so kann es nichts Böses sein, mögen die Leute sagen, was sie wollen. Ihr braucht euch also nicht ein kleines bißchen zu schämen‹. Dann würden sie sich küssen lassen, nicht wahr Papa?«
»Mit Freuden, das weiß Gott, mein Kind!«
»Mama! O nicht weinen, gute Mama; jetzt kommt gleich die Stelle, wo sie alle glücklich werden. Papa, bitte erzähle weiter.«
»Dann waren einige von ihnen traurig – sie alle waren es; ich meine das Kriegsgericht. Und sie gingen zum Obergeneral, und sagten, sie hätten ihre Pflicht getan, – denn weißt du, es war ihre Pflicht – und jetzt bäten sie darum, daß zwei von den Obersten begnadigt würden, und bloß einer erschossen werden sollte. Das würde genügen, um bei der Armee ein Exempel zu statuieren. Aber der Obergeneral war sehr streng und lehnte ihre Bitten ab, denn wenn sie ihre Pflicht getan und nach ihrem Gewissen gehandelt hätten, so wolle er sich seiner Pflicht auch nicht entziehen und seine Soldatenehre nicht beflecken. Sie aber erwiderten, daß sie ihn um nichts gebeten hätten, was sie nicht auch tun würden, wenn sie an seiner Stelle stünden und das hohe Vorrecht hätten, Gnade zu üben. Das machte Eindruck auf ihn, er überlegte eine Weile und die Härte wich etwas aus seinen Zügen. Dann hieß er sie warten und zog sich in sein Zimmer zurück, um sich im Gebet bei Gott Rat zu erholen. Als er wiederkam, sagte er: ›Sie sollen das Los ziehen; einer muß sterben; zwei sollen leben‹.«
»Haben sie gelost, Papa? Und welcher muß sterben? Ach, der arme Mann!«
»Nein, sie haben sich geweigert.«
»Sie wollen es nicht tun, Papa?«
»Nein.«
»Weshalb nicht?«
»Sie sagten, daß derjenige, welcher das Todeslos zöge, sich durch seine eigene freiwillige Handlung zum Tod verurteilte und das sei nichts anderes als Selbstmord, man möge sagen was man wolle. Sie aber seien Christen, und die Bibel verböte ihnen, sich das Leben zu nehmen. Diese Antwort schickten sie dem Obergeneral und ließen ihm sagen, sie seien bereit, man solle das Urteil des Kriegsgerichts vollstrecken.«