»Bei Allah, er wird es essen.«
Es waren zwei große Scheiben rötlicher Wassermelone, frisch und saftig.
IV.
Durch das ganze Reich flog am nächsten Morgen die Nachricht, daß der Sultan wieder wohl und gesund sei, und die Köpfe seiner Aerzte die Zinnen seines Palastes schmückten. Eine Freudenwoge wälzte sich über das ganze Land, und man rüstete sich zu einem großen Jubelfest.
Nach dem Frühstück saß der Herrscher auf seinem Diwan und überlegte. Seine Dankbarkeit war unaussprechlich, und er sann über ein Geschenk nach, das reich genug wäre seinem Wohltäter seine Dankbarkeit darzutun. Er rief seinen kleinen Sklaven, und fragte ihn, ob er die Kur erfunden hätte. Der Knabe sagte nein, – er hätte sie vom Ober-Eunuchen erfahren. Der Sklave wurde weggeschickt und der Sultan überlegte wieder. Er würde dem Ober-Eunuchen den Palast und die Ländereien eines Paschas schenken, der in Ungnade gefallen war, sowie ihm dessen jährliches Einkommen anweisen. Er ließ ihn rufen, und fragte ihn, ob er der Erfinder des Heilmittels sei. Aber der Ober-Eunuch war ein ehrlicher Mann und sagte, er hätte es vom Zeremonienmeister des Harems erfahren. Er wurde weggeschickt und der Sultan überlegte von neuem. Er könnte den Ober-Eunuchen absetzen, und den Zeremonienmeister an seine Stelle setzen. Dazu sollte er vier Pferde aus seinem Stall zum Geschenk bekommen. Er wurde aber vom Zeremonienmeister an den Ober-Küchenmeister verwiesen. Abermals überlegte der Sultan, und dachte sich ein geringeres Geschenk aus. Der Koch aber verwies ihn an den Ober-Stallmeister und dieser an den Hofmarschall, und jedesmal mußte der arme Sultan wieder überlegen und sich ein kleineres Geschenk ausdenken.
Das war ihm jedoch zu langweilig, und um die Sache zu beschleunigen, ließ er seinen Hohen Geheimen Ober-Detektive kommen, und befahl ihm, herauszufinden, wer die Melonenkur erfunden hätte, damit er seinen Wohltäter nach Gebühr belohnen könne.
Um neun Uhr abends kam der Detektive wieder. Er hatte der ganzen langen Kette von Freunden nachgespürt, bis hinunter zu einem kleinen Burschen, Namens Ali, einem Kesselflicker. Der Sultan sagte mit tiefem Gefühl:
»Ein braver Junge! Er hat mir das Leben gerettet und soll es nicht bereuen.«
Und er schickte ihm ein Paar seiner eigenen Schuhe, und zwar das zweitbeste Paar, das er besaß. Sie waren zu groß für den kleinen Ali, aber sie paßten dem grauköpfigen Neger gerade, und so war alles gut und der rechte Mann belohnt.