»Ist die Meinung, die eine Katze über Schmerzen hat, von irgend welchem Wert?«

»Eine Katze hat keine Meinung; Meinungen kommen nur aus der Seele; die niederen Tiere, die in alle Ewigkeit der Vergänglichkeit geweiht sind, haben keine Seele erhalten; ohne Seele aber ist eine Meinung unmöglich.«

»Das ist eigentümlich und interessant. Ich möchte wohl wissen, was eigentlich mit der Katze los war. Denn da es wirklichen Schmerz nicht gibt, und da die Katze nicht im stande ist, sich einen nur in der Einbildung vorhandenen Schmerz vorzustellen, so hat allem Anscheine nach Gott in seinem Erbarmen die Katze zum Ausgleich mit irgend einer geheimnisvollen Gemütsbewegung ausgerüstet, die sich in dem Augenblick bemerkbar macht, wo das Tier auf den Schwanz getreten wird. In dieser Gemütsbewegung stimmen dann Katze und Christenmensch gewissermaßen überein, indem …«

Aber sie fiel mir ärgerlich ins Wort. »Genug davon! Die Katze fühlt nichts, der Christenmensch fühlt nichts. Ihre eitlen und törichten Vorstellungen sind ruchlose Gotteslästerung, die Ihnen schlecht bekommen könnte. Es ist klüger und besser und frömmer, wenn Sie anerkennen und offen zugeben, daß Krankheit oder Schmerz oder Tod nicht existieren.«

»Ich bin voll von eingebildeten qualvollen Schmerzen,« antwortete ich, »aber mir könnte nicht elender zumute sein, wenn es wirkliche Schmerzen wären. Was muß ich tun, um sie los zu werden?«

»Es handelt sich nicht darum, sie loszuwerden; denn sie existieren ja gar nicht. Es sind nur Sinnestäuschungen, die durch die Materie weiter verbreitet werden, und Materie existiert nicht. Es gibt gar keine Materie.«

»Das klingt ganz richtig und klar, trotzdem aber doch außerordentlich unbestimmt; es schlüpft einem durch die Finger, wenn man gerade eben denkt, man halte es gepackt.«

»Wieso?«

»Na, zum Beispiel: wenn Materie gar nicht existiert, wie kann Materie was weiterverbreiten?«

In ihrem Mitleid lächelte sie beinahe. Sie würde sogar wirklich gelächelt haben, wenn es so was wie Lächeln überhaupt gäbe.