Er hat alle Angst und Aufregung unter die Füße getreten. Welchen Teil unseres Verdienstes oder Einkommens würden wir wohl mit Freuden hergeben, wenn wir jahraus, jahrein in solcher Gemütsverfassung lebten? Es wäre in der Tat kein Preis zu hoch dafür! Wo kann sie sich ein Mensch, und wäre er der reichste, kaufen? In welchem Laden oder in welcher Kirche? Nur bei der Christlichen Wissenschaft.
Nun ist es aber gerade die fortwährende Angst vor Erkältung und Fieber und Zugluft und schwer verdaulichen Speisen, die uns den Magen verderben könnten – gerade diese Angst, sage ich, ist es, die uns den Schnupfen und das Fieber und das Magendrücken und die meisten anderen Krankheiten in den Körper bringt. Und wenn die Christliche Wissenschaft diese Angst beseitigen kann, so glaube ich, sie kann damit vier Fünftel aller Krankheiten und Schmerzen aus der Welt bringen.
In der erwähnten Oktobernummer der Zeitschrift treten viele ›Erlöste‹ als Zeugen auf und bedanken sich; und zwar nicht etwa kühl und obenhin, sondern in leidenschaftlicher Dankbarkeit. Fast alle erscheinen wie trunken von der neu erlangten Gesundheit, von der Ueberraschung und Verwunderung, wie geblendet von dem unbeschreiblichen Glorienschein, der das Wunderbare umgibt, und der ihnen um so heller erscheint, nachdem sie eine so lange, trostlose Zeit hindurch nichts anderes getan haben, als sich eingebildete Krankheiten auszudenken und sich mit Arzneikram vollzustopfen. Der erste Zeuge erklärt, als ›diese wunderschöne Wahrheit ihm zuerst dämmerte‹, da hätte er ›beinahe alle Krankheiten gehabt, die des Fleisches Erbteil sind‹. Und die er nicht gehabt, die hätte er sich dazu gedacht. Was war die natürliche Folge gewesen? Natürlich wäre er ›eine Milchkuh für Doktoren und Apotheker gewesen und eine Abladestelle für alle Geheimmittel der ganzen Welt.‹ Die Christliche Wissenschaft kam ihm zu Hilfe, und alle die alten Krankheitszustände verschwanden. Und so war er jetzt gesund und fröhlich und – erstaunt.
Aber ich bin nicht erstaunt. Denn ich weiß ganz genau, wie’s dabei hergegangen ist. Ich vermute, daß seine ganze Methode darin bestand, fortwährend zu sagen: »Ich bin wohl! Ich bin gesund! Gesund und wohl! Wohl und gesund! Vollkommen gesund, vollkommen wohl! Ich habe keine Schmerzen; Schmerzen gibt’s überhaupt nicht. Ich habe keine Krankheit; Krankheiten gibt’s überhaupt nicht. Nichts ist wirklich als die Seele; alles ist Geist, All-Gott, Gott-Gott, Leben, Seele, Leber, Knochen u. s. w. u. s. w.«
Ich will nicht behaupten, daß dies genau die Formel war, die der Mann brauchte; aber zweifelsohne war es der Geist seiner Worte. Der Mann selber legte jedenfalls Wert auf die genaue Formel und auf die religiöse Bedeutung, die er mit ihrer Anwendung verband. Ich glaube, jede beliebige Formel hätte den meisten, wenn auch nicht allen, die gleichen Dienste getan. Für einen religiösen Mann aber war gewiß die Hinzufügung des religiösen Elements zu der Formel eine sehr bedeutsame Verstärkung ihrer Heilkraft.
Ein anderer Zeuge ist ein alter Kampfgenosse aus dem Sezessionskriege. Als die Christliche Wissenschaft ihn auffand, hatte er folgende Gebresten auf Lager: Verdauungsbeschwerden; Rheumatismus; Katarrh; kalkige Ablagerungen in den Schultergelenken, Ellbogengelenken, Handgelenken; Muskelschwund in Armen, Schultern; Steifheit aller dieser Gelenke; Schlaflosigkeit; fast unaufhörliche, fürchterliche Schmerzen.
Diese Gebresten sehen nicht nach Einbildung aus. Sie stammten von den Kriegsstrapazen. Die Aerzte taten alles, was sie konnten – aber das war nicht viel. Man versuchte es mit Gebeten – ›aber davon verspürte ich niemals auch nur die geringste Erleichterung.‹ Nach dreißigjähriger Marter wandte er sich an einen Doktor der Christlichen Wissenschaft, ließ sich eine Stunde lang behandeln und ging ohne Schmerzen heim. Zwei Tage darauf begann er zu essen ›wie ein Gesunder.‹ Dann ›verschwanden die Gebresten – einige sofort, andere nach und nach‹; schließlich ›sind sie beinahe gänzlich fort‹. Und jetzt – das ist nämlich das Allerwertvollste dabei – ist er ›zufrieden und glücklich‹. Diese letztere Wirkung ist, wie bereits bemerkt, die besondere Spezialität der Christlichen Wissenschaft. Die Methodistische Kirche hatte sich einunddreißig Jahre lang bemüht und hatte dieses Glück und diese Zufriedenheit dem geplagten Krieger nicht verschaffen können.
Und so geht die Litanei weiter: Zeugen auf Zeugen beschreiben ihre Leiden, erklären, daß sie sofort geheilt seien, und singen Frau Eddys Entdeckung Lob und Preis. Die schwersten Krankheiten verschwinden im Handumdrehen: Nervenschwäche wird geheilt, Schwindsucht wird geheilt, Veitstanz – ein Kinderspiel. Ab und zu finden wir in diesen Blättern eine interessante Bereicherung unserer Ausdrucksweise. Da haben wir zum Beispiel ›Demonstrationen über Frostbeulen‹ und dergleichen. Dies soll, wie es scheint, ein abgekürzter Ausdruck sein für ›Demonstrationen der Macht, welche die Wahrheit der Christlichen Wissenschaft über jene Phantasiegebilde ausübt, die sich unter dem Namen »Frostbeulen« maskieren.‹ Die Kinder nehmen ebensogut wie Erwachsene an den Segnungen der Wissenschaft teil. »Durch das Studium des ›Büchleins‹ lernen sie gesund, artig und vernünftig sein.« Manchmal werden sie von ihren kleinen Leiden durch berufsmäßige Vertreter dieser christlichen Heilkunst befreit; ältere Kinder aber sagen manchmal einfach die Formel auf und kurieren sich selber.
Aus dem fernen Westen schreibt ein kleines, neunjähriges Mädchen – das man seiner Ausdrucksweise nach für eine Erwachsene halten möchte – gibt sein Alter an und fährt fort: ›Ich dachte, ich wollte Ihnen eine Demonstration schreiben‹. Sie war von einem Pony abgeworfen, über dessen Kopf geflogen und auf einen Felsen aufgeschlagen. Sie rettete sich vor dem Unheil, indem sie, in den Lüften schwebend, daran dachte schnell zu sagen: ›Gott ist All‹. Ich hätte das nicht gekonnt. Ich würde nicht mal daran gedacht haben. Ich wäre zu aufgeregt dazu gewesen. Nur die Christliche Wissenschaft konnte das Kind in stand setzen, unter solchen Umständen so ruhig und vernünftig zu handeln. Sie schlug mit ihrem Kopf gegen den Felsen an und hätte sich, nach menschlichem Ermessen, unbedingt den Schädel zerschmettern müssen; aber durch die ›Formel‹ wurde das verhindert, und sie kam – buchstäblich – mit einem blauen Auge davon. Am Montag-Morgen war es immer noch geschwollen und ließ sich nicht öffnen. In der Schule ›tat es recht häßlich weh –‹ das heißt es schien so. Daher ›wurde ich als krank entschuldigt und ging in den Keller hinunter und sagte: »Bis jetzt vertraue ich auf Mama anstatt auf Gott, und ich will auf Gott Vertrauen anstatt auf Mama.«‹ Ohne Zweifel hätte dies Glaubensbekenntnis bereits völlig genügt; zur Sicherheit aber spannte sie auch noch Frau Eddy vor und sagte die ›Wissenschaftliche Darstellung des Seins‹ her – das ist wohl, wie ich vermute, eine ihrer vornehmsten Hymnen. Dann ›fühlte ich, wie mein Auge aufging.‹ Natürlich, eine Auster wäre ja aufgegangen! Ich glaube, es gibt kaum ein rührenderes Kinderbildchen: die kleine fromme Ratte da unten im Keller, wie sie die ›Wissenschaftliche Darstellung des Seins‹ herunterschnurrt!
In der Zeitschrift kommt auch noch ein anderes gutes Kind vor: Klein Gordon. Klein Gordon ›kam auf die Welt ohne Hinzuziehung eines Arztes und ohne Anwendung eines Schmerzbetäubungsmittels.‹ Er war ›eine Demonstration.‹ Und zwar eine schmerzlose; daher erweckte seine Ankunft: Freude und Dankbarkeit gegen Gott und die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft. Diese Zusammenstellung der beiden hohen Wesen ist überhaupt ein charakteristischer, immer wiederkehrender Zug; auch von den ›Beiden Bibeln‹ ist fortwährend die Rede.