Keine Wohltätigkeitsanstalten zu unterhalten. Nicht mal zu solchen beisteuern. Vergebens sucht man in den vom Trust ausgehenden Ankündigungen und in den auf den Kanzeln der Christlichen Wissenschaft gehaltenen Predigten nach einer Spur, daß sie auch nur einen Pfennig für solche Zwecke ausgeben. Nichts für Witwen und Waisen, für entlassene Sträflinge, Krankenhäuser, Stadtmission, Heidenmission, Volksbibliotheken, Altersversorgung und sonst etwas, das sich auf dem Umwege durch das Menschenherz an des Menschen Börse wendet.[5]
[5] In den letzten beiden Jahren beliefen sich die von den Bekennern der englischen Hochkirche geleisteten freiwilligen Beiträge für derartige Zwecke auf 15 Millionen Pfund Sterling. Eine Kirche, die Geld hergibt, hat nichts zu verheimlichen.
M. T.
Ich habe mich erkundigt, erkundigt, erkundigt, in Briefen und auf sonstige Weise, und es ist mir nicht gelungen, auch nur einen Dreier aufzuspüren, den der Trust für irgend einen nennenswerten Zweck ausgegeben hätte. Nichts macht den ›Scientisten‹ so ungemütlich, als wenn man ihn fragt, ob ihm ein Fall bekannt sei, daß die Christliche Wissenschaft etwas für wohltätige Zwecke ausgegeben habe – sei es im Kreise ihrer Mitglieder, sei es an Draußenstehende. Er muß die Frage verneinen. Und dann entdeckt man, daß dem Befragten dieselbe Frage schon oftmals vorher gestellt ist, und daß ihm die Sache allmählich eklig wird. Warum eklig? Weil er an seine Führer geschrieben und voll hoher Zuversicht sie um eine Antwort gebeten hat, die die Fragesteller zu Boden schmettern wird – und weil die Führer nicht geantwortet haben! Er hat abermals geschrieben – und noch einmal – aber diesmal nicht voll Zuversicht, sondern sehr bescheiden und hat flehentlich gebeten, man möge ihn doch mit Munition versehen, um die Position der Christlichen Wissenschaft verteidigen zu können. Endlich kommt eine Antwort, sie lautet etwa: Wir müssen auf Unsere Mutter vertrauen und uns mit der Ueberzeugung begnügen, daß alles was Sie[6] mit dem Gelde tut, in Uebereinstimmung steht mit Geboten vom Himmel, denn Sie vollzieht keine Handlung, ohne zuvor darüber demonstriert zu haben.
[6] Ich führe vielleicht die Schreibung mit dem großen S ein bißchen zu früh ein, aber auf dem Wege ist sie.
M. T.
Damit ist der Fall erledigt – soweit der Jünger in Betracht kommt. Sein ›Geist‹ ist von der Antwort vollkommen befriedigt; er schlägt den ›Anhang‹ auf und stimmt ein oder zwei Gebete an. Seine Seele ist ruhig – bis mal wieder ein Neugieriger mit indiskretem Finger an die wunde Stelle tippt.
Durch Freunde in Amerika habe ich etliche Fragen stellen lassen. In einigen Fällen erhielt ich bestimmte und verständliche Antworten; in anderen war der Bescheid unbestimmt und wertlos. Aus den bestimmten Antworten entnehme ich, daß die ›Kopfsteuer‹ obligatorisch ist und einen Dollar beträgt. Auf die Frage: ›Wird irgend ein Teil des Geldes zu wohltätigen Zwecken verwandt?‹ lautete die von einer der maßgebenden Persönlichkeiten erteilte Antwort: ›Nein; nicht in dem Sinn, den man gewöhnlich mit diesem Wort verbindet.‹ (Daß diese letzten elf Worte gesperrt gedruckt werden, geschieht auf meine Veranlassung.)
Die Antwort ist vorsichtig. Und doch deutlich – obwohl der Wortlaut nebelhaft ist. Die Christliche Wissenschaft ist überhaupt nebelhaft, unklar, wortreich. Der Schreiber wußte ganz gut, daß das erste Wort eine vollständige Antwort auf meine Frage war; aber er konnte nicht anders, er mußte noch elf Worte von dunklem Sinn hinzusetzen. Worte ohne Sinn und Verstand – wenn der Mann sie mir nicht erklärt. Höchstwahrscheinlich – so verstehe ich wenigstens seine Andeutung – hat die Christliche Wissenschaft eine neue Art von Wohltätigkeit erfunden; was für eine das ist, können wir mit ziemlicher Sicherheit erraten: das vom Trust da hinein gesteckte Kapital wird gewiß 500 Prozent Reingewinn abwerfen. Indessen: Erraten ist noch kein Wissen.
Der Trust versteht sich aufs Geschäft. Er läßt sich nicht in die Karten gucken. Nicht von uns unverschämten Neugierigen und nicht einmal von seinen eigenen Jüngern. Höchstens erfährt man, es sei eine ›Demonstration vorgenommen worden.‹ Ab und zu erzählt einer von den Laienbrüdern der Christlichen Wissenschaft mit freudigem Stolz, Frau Eddy sei ungeheuer reich. Aber damit hat seine Mitteilsamkeit ein Ende; ob ein Teil des Geldes wohltätigen Zwecken zufließt, darüber kann er keine Auskunft geben. Der Trust besteht aber doch aus Menschen; und darum kann man wohl mit Recht annehmen, daß wir gewiß bald etwas davon hören würden, falls der Trust in seinen Rechnungen Ausgaben für Wohltätigkeitszwecke hätte, deren er sich nicht zu schämen brauchte.