Aufgeregt lief ich im Zimmer herum; auf einmal ging ich ans Fenster, öffnete es leise – von dem fürchterlichen Bann erfaßt, den entsetzliche Ereignisse ausüben – und sah auf den Hof hinunter. Bei dem prahlerischen Licht der elektrischen Lampen sah ich die kleine Gruppe der eingeladenen Zeugen, die Frau, die an ihres Onkels Brust weinte, den Verurteilten, der auf dem Schafott stand. Schon hatte er den Strick um den Hals, seine Arme waren an den Leib gebunden, die schwarze Kappe bedeckte seinen Kopf. Der Sheriff an seiner Seite hielt die Hand am Fallbrett; ihm gegenüber stand der Geistliche barhäuptig und mit dem Buch in der Hand.

»Ich bin die Auferstehung und das Leben –«

Ich drehte mich um; ich konnte es nicht mit anhören, ich konnte es nicht mit ansehen. Ich wußte nicht, wohin ich ging und was ich tat. Mechanisch und unbewußt legte ich meine Augen an das merkwürdige Instrument, den elektrischen Fernseher – und da war Peking und der Krönungszug des Zaren.

Im nächsten Augenblick beugte ich mich aus dem Fenster hinaus – atemlos, nach Luft ringend. Ich versuchte zu sprechen, aber ich war gerade infolge der Notwendigkeit, ohne jeden Verzug zu sprechen, wie betäubt. Der Prediger konnte sprechen, aber ich, der ich so dringend Worte finden mußte …

»Und möge Gott Gnade haben mit deiner Seele. Amen.«

Der Sheriff zog die schwarze Kappe herunter und legte die Hand an den Hebel. Da fand ich meine Stimme wieder!

»Halt! Um Gottes willen halt! Der Mann ist unschuldig. Kommt her und seht Szczepanik von Angesicht zu Angesicht!«

Kaum drei Minuten darauf stand der Gouverneur an meiner Stelle am Fenster und rief:

»Nehmt ihm die Fesseln ab und laßt hin frei!«

Drei Minuten später waren alle wieder im Zimmer. Der Leser wird sich die Szene vorstellen können; ich brauche sie nicht zu beschreiben. Es war eine Art von wahnsinnigem Freudentaumel.