Zum Glück ist der Herr der Seen und Flüsse ein kluges Geschöpf, vorsichtig, mißtrauisch; die geringste Veränderung in der Nähe seines Baues und Ausstieges bemerkt er sofort, und so müht sich der Fänger in vielen Fällen vergeblich ab, den Fischräuber zu überlisten. Wir dürfen hoffen, daß das interessante »Fischsäugetier« unserer Heimat trotz aller Nachstellungen, wenn auch in verschwindend geringer Anzahl, erhalten bleibt.

Auch die Verwandten, die Mitglieder der eigentlichen Marderfamilie, stellen gelegentlich den Karpfen und Schleien und selbst den flinken Forellen nach. Gute Schwimmer sind sie alle, und was sie erreichen können zu Land und zu Wasser, wird erbarmungslos gemordet. Aber gerade die Vielseitigkeit ihres Speisezettels – Eichkatzen, Wildtauben, Häher, Krähen, allerlei Kleinvögel und ihre Eier, Mäuse und Frösche, Ratten, Junghasen, Kaninchen, Fasanen, Eidechsen, Fische, Maikäfer usw. – beweist, daß sowohl die größeren Arten, Baum-, Hausmarder und Iltis, als auch die kleineren, Hermelin und Mauswiesel, neben beträchtlichem Schaden, den sie vor allem der Niederjagd zufügen, doch auch manchen Nutzen stiften. Wo sie sich zu stark vermehren, da soll man ihnen Einhalt gebieten; aber sie auszurotten, wäre eine sehr bedenkliche Maßnahme. Mäusefraß und Rattenschaden, übermäßige Vermehrung der Eichhörnchen oder auch der Krähen und Wildtauben würden solchen Weltverbesserern beweisen, daß sie auf dem Holzwege sind.

Auch die kleine Wasserspitzmaus wird des Fischraubes beschuldigt, und gewiß mag ihr manche Elritze, mancher Stichling zum Opfer fallen; aber wenn man bedenkt, daß die flinken, ewig hungrigen Spitzmäuse jedes Tier auffressen, das sie überwältigen können, Schnecken, Egel, Libellen- und Schwimmkäferlarven, Flohkrebse, Uferwanzen, Heuschrecken, Regenwürmer, Raupen, Larven von Köcherfliegen u. a., wird der Fischpächter versöhnlicher gestimmt werden und den kleinen muntern Schwimmern auch 'mal ein Fischchen gönnen.

Über die Wasserratte, die im Gegensatz zu den bisher genannten Fleisch- und Insektenfressern zu den Nagetieren zählt, sind die Ansichten geteilt. Die einen meinen, die Wasserratte rühre kein Fischlein an; andere dagegen behaupten, kleine Fische fielen ihr häufig zum Opfer, und wo Fischzucht getrieben wird, dürfe es daher keine Wasserratten geben. Allzugroß wird der Schaden jedenfalls nicht sein, zumal der Nager durch den Fang fischfeindlicher Wasserinsekten manchen Verlust wieder auszugleichen mag.


Aber gefiederte Fischräuber gibt es viel mehr als bepelzte – leider, leider! Man kann es den Fischereiberechtigten wirklich nicht verargen, wenn sie sich gegen die Konkurrenz, die ihnen von dieser Seite zweifellos in oft recht empfindlicher Weise gemacht wird, zur Wehr setzen. Auf der andern Seite sind gerade unter diesen gefiederten Fischliebhabern einige, die zu den schönsten Mitgliedern der Vogelwelt gehören und unsern Teich- und Seenlandschaften zum reizvollsten Schmuck gereichen, so daß deren Verfolgung den Naturfreund außerordentlich schmerzlich berühren muß. Hier ist eine Verständigung sehr schwierig. Es muß der Fischer dem Vogelfreund ein wenig entgegenkommen, und dieser jenem. Schon wenn jeder sich bemüht, den Standpunkt des andern zu verstehen und zu würdigen, wird viel gewonnen sein.

Ich denke, man sollte zunächst einmal unterscheiden, ob es sich um einzeln lebende Fischräuber handelt, z. B. den Fischadler, den Schwarzstorch, den Eisvogel, die also mehr oder weniger als Einsiedler hausen und ein weites Revier für sich beanspruchen, oder um solche Vögel, die in größerer Menge auftreten, wie Reiher, Möwen, Taucher u. a. Bei jenen darf man wohl erwarten, daß der einsichtsvolle Fischer, dem doch auch die Erhaltung der heimatlichen Natur am Herzen liegt, ein Auge zudrückt, falls die Verhältnisse nicht besonders ungünstig sind; es kann ja hier höchstens von einem örtlichen, nicht aber von einem allgemeinen Schaden die Rede sein. Bei den in größerer Anzahl auftretenden Schädlingen aber sollte man sich damit begnügen, sie auf ein gewisses Maß zu beschränken. Und dieses Maß, das nicht überschritten werden darf, scheint mir allerdings für manche Gegend bereits erreicht zu sein. Indessen allgemeine Regeln, die in jedem Einzelfall zu beachten sind, lassen sich nicht aufstellen.

Wer den Eisvogel aus dem Bereich der Fischzuchtanstalten vertreibt, dem wird man es nicht verargen können; denn wo diese gefiederten Fischer in größerer Anzahl regelmäßig bestimmte Setzteiche besuchen, da wird der Schaden nicht unerheblich sein, obgleich sie nur kleinfingerlange Fischchen erbeuten. Solche Fälle aber sind Ausnahmen. Jedes Pärchen beansprucht ein großes Gebiet und duldet kein zweites in unmittelbarer Nähe. Und gerade in unserer Heimat sind die Eisvögel bereits so selten geworden, daß ich nicht weiß, ob jeder meiner Leser schon einmal in freier Natur den leuchtenden Funken, rotgoldig glänzend und seidig blau, an sich hat vorüberschießen sehen, oder ob er ihn nur im ausgestopften Zustande kennt. Jedenfalls ist es selbst für den, der mit der gefiederten Welt der Heimat vertraut ist, immer ein Ereignis, wenn er dem Eisvogel an unsern Bächen, Flüssen und Teichen begegnet. Ihn überall, wo er sich zeigt, wegzuknallen oder in kleinen Tellereisen zu fangen, ist eine Versündigung an der Natur. An unsern Gebirgsbächen, an unsern Flüssen, an allen Teichen, die nicht gerade der Fischzucht dienen, sollte man den einsamen Fischer ruhig gewähren lassen. Oder ist wirklich jemand der Meinung, der Eisvogel trage die Schuld, daß die heimatlichen Gewässer so arm an Fischen sind?

In dem überaus heißen und regenarmen Sommer des Jahres 1911, wo bei uns alle Quellen versiegten, jedes Bächlein, jeder Graben austrocknete, da sammelten sich einige Eisvögel an dem einzigen größeren Bach meiner Heimat, der noch etwas Wasser führte; der Hunger trieb sie hierher. Aber dem Tode entging vielleicht keiner; man schoß ab, so viel man erreichte. Wozu? Hier, wo von gewinnbringender Fischerei nicht die Rede sein kann, wo nur gelegentlich ein paar Forellen gefangen werden, hätte man doch wahrhaftig den schönen Vögeln den kleinen Tribut gönnen können, den sie beanspruchten; nach kurzer Zeit würden sie sich wieder über ein weites Gebiet, aus dem sie die Trockenheit vertrieben hatte, verstreut haben. Ist der Fischereiberechtigte der sogenannten wilden Fischereien wirklich in so bedrängten Verhältnissen, daß es ihm auf ein paar winzige Fischchen ankommt? so fragt man sich. Nimmt er lieber den Unwillen der vielen Naturfreunde, die solche Handlungsweise mit Recht verurteilen, auf sich, als daß er auf eine kleine Anzahl zum Teil fast wertloser Schuppenträger verzichtet? Man möchte solch engherzigem Pfennigrechner den geringen Verlust gern aus eigner Tasche ersetzen.