Erhalt vns Herr bey deinem wort.
Der folgende ein Trochéus:
Mitten wir im leben sind.
Dann in dem ersten verse die erste sylbe niedrig, die andere hoch, die dritte niedrig, die vierde hoch, vnd so fortan, in dem anderen verse die erste sylbe hoch, die andere niedrig, die dritte hoch, &c. außgesprochen werden. Wiewol nun meines wissens noch niemand, ich auch vor der zeit selber nicht, dieses genawe in acht genommen, scheinet es doch so hoch von nöthen zue sein, als hoch von nöthen ist, das die Lateiner nach den quantitatibus oder grössen der sylben jhre verse richten vnd reguliren. Denn es gar einen übelen klang hat:
[G 2b] Venus die hat Juno nicht vermocht zue obsiegen; weil Venus vnd Juno Iambische, vermocht ein Trochéisch wort sein soll: obsiegen aber, weil die erste sylbe hoch, die andern zwo niedrig sein, hat eben den thon welchen bey den lateinern der dactylus hat, der sich zueweilen (denn er gleichwol auch kan geduldet werden, wenn er mit vnterscheide gesatzt wird) in vnsere sprache, wann man dem gesetze der reimen keine gewalt thun wil, so wenig zwingen leßt, als castitas, pulchritudo vnd dergleichen in die lateinischen hexametros vnnd pentametros zue bringen sind. Wiewol die Frantzosen vnd andere, in den eigentlichen namen sonderlich, die accente so genawe nicht in acht nemen wie ich dann auch auff art des Ronsardts in einer Ode geschrieben:
Bin ich mehr als Anacreon,
Als Stesichór vnd Simonídes,
Als Antimáchus vnd Bion,
Als Phílet oder Bacchylídes?
Doch, wie ich dieses nur lust halben gethan, so bin ich der gedancken, man solle den lateinischen accenten so viel möglich nachkommen.