K.: Oh, wie beneide ich sie. Das brauche ich eben so sehr: einen Anker, einen Hafen. Wie friedlich müssen sie gelebt haben, bevor dieses schreckliche neue Ehesystem aufkam.
M.: Die Leute fanden das offenbar nicht; denn wozu sollten sie dann Abänderungen getroffen haben? Aber was hast du gegen das System? Du hast vier Männer gehabt und bist von den beiden ersten fast so rasch fort als das Gesetz es erlaubt.
K.: Ja, und ich bin erst einundvierzig Jahre alt. Ich habe zu früh angefangen: mit achtzehn; und man nimmt die Ehe unwillkürlich leicht, wenn man weiß, daß sie nur fünf Jahre zu dauern braucht. Man geht sie ebenso gedankenlos ein, wie unsere glücklichen Mütter ihre Flirts einzugehen pflegten.
M.: Aber die Folgen sind doch ernster. Wir sind enttäuschte Frauen in einem Alter, in dem sie noch frohmütige junge Mädchen waren.
K.: Ja, der Familiennachwuchs macht die Sache so schwer. Die Vaterschaft ist heutzutage direkt ein Kultus geworden. Alle meine Gatten waren Fanatiker der Nachkommenschaft, und ich habe acht Kinder gehabt.
M.: Acht Kinder! Dann ist es kein Wunder, daß du herabgekommen aussiehst.
K.: Ganz richtig. Meine Mutter wäre entsetzt gewesen. Zwei oder drei, höchstens vier war die richtige Anzahl zu ihrer Zeit, und fünf war ein Verhängnis und sehr selten.
M.: Gut, meine Liebe, du hättest doch nicht so viele haben müssen. Du hättest den Vaterschaftskultus etwas eindämmen sollen. Keine Frau kann heutzutage gezwungen werden, Kinder zu haben, wie unsere unglücklichen Großmütter. Hast du alle acht bei dir?
K.: Nein, das ist es eben. Ich mochte nicht so viele haben, aber wenn sie schon einmal da sind, so möchte ich sie auch bei mir haben, und ihre Väter wollen sie natürlich auch.
M.: Oh, meine Liebe, wie ärgerlich. Wenn man heutzutage Kinder hat, ist das das Unangenehmste daran. Manchmal bin ich froh, daß ich keine habe.