K.: Dann kennst du vielleicht nicht das Gesetz über die Kinder in unserem jetzigen Ehesystem? Eine gewisse Summe muß jährlich für jedes Kind in den großen Staatskindertrust eingezahlt werden; wenn die Ehe gelöst wird, wird bloß der Mutter die Aufsicht übertragen, falls der Vater sich nicht daran zu beteiligen wünscht. In letzterem Fall verbringen die Kinder ein halbes Jahr bei der Mutter, ein halbes beim Vater.
M.: Das ist schön.
K.: Das glaube ich. Aber, ach! schrecklich hart für eine Mutter. Meine zwei älteren Mädchen sind beinahe schon erwachsen; sie waren einige Jahre im Pensionat, und es war für George und mich ganz leicht, ihre Ferien zwischen uns zu teilen. Aber jetzt kann ich sie nicht mehr in der Schule lassen, und sie werden das halbe Jahr bei ihm verbringen. Gott sei Dank ist er schon einige Zeit nicht verheiratet und scheint es auch nicht zu beabsichtigen. So habe ich nicht den Einfluß einer fremden Frau zu fürchten; aber wie kann ich sie leiten, wie kann ich die richtige Kontrolle über sie haben oder irgendeinen Einfluß unter diesen Umständen auf sie ausüben?
M.: Ja, das muß sehr traurig für dich sein.
K.: Es ist schrecklich, aber es gibt noch etwas viel Ärgeres. Gordon, der Vater von Arthur und Maggie, hat wieder geheiratet, und seine Frau ist auf die ältesten Kinder eifersüchtig und sehr ärgerlich, wenn sie bei ihm sind. Und mein kleiner Arthur ist so zart, er braucht soviel Sorgfalt und Studium. Ich habe keinen glücklichen Augenblick, wenn er bei ihnen ist. Er gedeiht auch nicht recht bei den anderen Kindern. Immer, wenn er von den Besuchen zurückkommt, sieht er krank und unglücklich aus. Ich kann dir nicht schildern, was ich wegen Arthur gelitten habe. Oh, wenn ich an ihn denke, könnte ich dieses niederträchtige Ehesystem verwünschen. Es ist wider die Natur.
M.: Ach, meine Liebe, man muß ja auch die Gesetze nicht ausnützen. Warum bist du nicht mit Gordon geblieben oder in erster Ehe mit George? Das kommt sogar jetzt oft vor.
K.: Ich weiß es, ich weiß es, aber George und ich, wir paßten schrecklich schlecht zusammen. Wir heirateten als halbe Kinder. Bei dem alten System kamen gewöhnlich vernünftige Eltern dazwischen, und die jungen Leute mußten warten, bis sie ihrer selbst sicher waren. Aber du weißt ja, wie es jetzt ist. In der ersten jugendlichen Verliebtheit glaubt man auf wenigstens fünf Jahre sicher zu sein, und darüber hinaus braucht man ja nicht zu sorgen.
M.: Gut. Also du warst vierundzwanzig, als du Gordon heiratetest; warum hast du ihn nicht vorsichtiger gewählt?
K.: Das war zum großen Teil eine „wirtschaftliche Sache“, wie ich in einem alten Stück, genannt das „Frauenstimmrecht“ vor einiger Zeit las — wie wunderlich waren dazumal die Vorstellungen. Es kam auch etwas anderes darin vor, darüber daß „vierundzwanzig Jahre im allgemeinen nicht so jung wäre, es aber mit der Auffassung der Zeit geworden sei.“ Ich war wohl alt genug, um vernünftig zu handeln, aber ich war leichtlebig und liebte den Luxus, und ich konnte mit dem wenigen, was George mir dem Gesetz nach auszuzahlen hatte, nicht auskommen. Ich gebe ihm ja keine Schuld, denn es war alles, was er tun konnte, wenn er die für die Kinder nötige Taxe bestreiten sollte. So heiratete ich Gordon eines Heims halber, und freilich war das abscheulich.
M.: Und dein dritter Mann starb?