Man kennt seltene Beispiele, wo die Gatten sich eben deshalb fester und liebevoller aneinander­schlossen, weil sie keinen anderen Gegenstand hatten, auf den sich ihre Neigung erstrecken konnte. Die Frau, die weniger Sorgen hat und die die Geliebte nicht in der Mutter aufgehen lassen muß, bleibt in den Augen des Mannes jugend­licher, als es sonst möglich wäre, während sie an den Mann ebenso ihre mütterliche als ihre weibliche Hingabe, verschwendet und er ihr Gatte und Kind zugleich ist. In einer solchen Ehe kann man etwas Heiliges sehen, obzwar sie keine Kinder hervorgebracht hat; ein solches Paar scheint die Kleinen, die nie kommen, nicht zu vermissen. Dasselbe findet sich manchmal bei Künstlern, deren ganze Interessen und schöpferische Energien in ihrem Werke aufgehen.

Von ganzem Herzen verachte ich jene verheirateten Leute, die, in vollem Besitz von Gesundheit und Kraft, vorsätzlich kinderlos bleiben. Von ganzem Herzen bedauere ich die Ledigen und Jene, denen Kinder versagt sind. Jedoch haben sie Entschädigungen; wenn ihnen die Wonne entgeht, so bleiben ihnen auch die endlosen Sorgen, die zahllosen Kümmernisse, die ständige Selbstaufopferung, die oft bitteren Enttäuschungen erspart. Die Kinder machen einem gar manche andere Schmerzen als die der Geburt. Tennyson sagt: „Das traurigste Wesen auf der Welt ist jene Mutter, die ein Kind hat und es vom Pfade abirren sieht!“ Und doch sind durch geheimnisvolles Naturwalten die Saiten des Mutterherzens oft für die Kinder, die irren, am zärtlichsten gestimmt. Zu den schönsten Versen, die je geschrieben wurden, gehören meiner Ansicht nach jene in Stephen Philips „Marpessa“: als die junge Marpessa den Gott ihres geringen sterblichen Liebhabers halber verschmäht, sagt sie von diesem:

„Und er wird warmfühlende Kinder mir schenken,

Keinen strahlenden Gott, der die irdische Mutter verachtet,

Nein, Wesen mit zappelnden Gliedern und kleinen Herzen, die irren!“

Aber die „zappelnden Glieder“ werden bald so groß, daß man sie nicht wieder erkennt; die kleinen Herzen werden klug und weltlich und irren auf weniger erwünschte Weise — unsere warmfühlenden Kinder entwachsen uns heutzutage schnell. Das ist die wahre Tragödie der Mutter­schaft — daß die Kinder ihr entwachsen.


[ Fünfter Teil]

Wie man, obgleich verheiratet,
glücklich werden kann

„Um glücklich miteinander zu leben, sollten sie mit den Feinheiten des Seelenlebens vertraut und mit der Fähigkeit geboren sein, nachzugeben und sich auszugleichen.“