»Laß mich Vater! Wie soll ich Weib vor einem Manne sterben!«

Der aber weinte nicht länger und rief gereckten Haupts:

»Linus wurde von wütigen Hunden zerrissen, aber Orpheus sang und bezauberte die wilden Tiere. Den geringsten ihrer frommen Schüler verlangt nach einem Gleichen!« Da hielt ihn das junge Mädchen nicht mehr zurück. So sollen denn Verse singen vor dem Tode der Enkelin Platos und Homers!

Von der Terrasse aus sah sie, wie der milde Greis dem Pöbel entgegenschritt. Jetzt tat der Alte den Mund auf — und jetzt spaltete ein Stein die Stirn, dahinter der Genius thronte und sang. Und die Unbefleckte wandte den Blick ab von alldem und dem Volk, das in Tierheit watete, und tat die Augen hinauf zum Himmel, zu Gott Helios, der das unendliche Blau umschließt, darin nach dem Gang der Sternbilder die Seelen der Edelsten wandeln . . . .

Und schwere Balken rennen gegen das würmige Holz der Türen an und Stimmen heulen Mord und Mord.

So wie eine Priesterin feierlich-heiter an einem hohen Fest nach alten Riten die heiligen Vorschriften erfüllt, so wandte sich Athene gegen die Ferne und das heilige Land Hellas.

»Lebwohl du meine Mutter und du meine Mutter unserer Väter! Fromme zerstörte Feste Athen, eh du willst, daß ich dies Leben hingebe, grüße ich dich mit meinem letzten Hauch!«

»Du Süße meiner Jugend, du warst mir ruhmvoller Hort gegen das Gemeine, das Mittelmaß und alles Leid und du nur lehrtest mich die Seligkeit des Lächelns!«

»All dein Hohes sprachst du zu mir, all deinen Frieden sangst du mir, . . . . und nun du willst, daß ich dies Leben ausliefere, lehr’ mich, Mutter, das alte Geheimnis, lehr’ mich den simplen Tod.«

Und zu den Statuen Homers und Platos: