»Schön bist du, Amaryllis. Und doch steht es dir an, daß du eine von den Unserigen seiest. Du sollst erfahren, was Griechenland war, was seine Portiken unter dem blauen Himmel und was seine immergrünen Olivenhaine waren, daß alles Götteratem lind bewegte, Heiterkeit die Leiber und die gesunden Seelen badete; und dein schnelles Blut wird leicht den Zusammenklang von Wunsch und Sein hören lernen. Plotinus, dem die Götter ihr Herz eröffneten, pflegte zu sagen: Wo die Liebe ging, da stellt sich der Verstand ein. Amaryllis, du, die in der Kypris Wohnung hatte, nimm deinen Platz unter uns wie eine Schwester, die es verdient, daß wir auf sie hören.«

»Du Athene«, sagte ein Jüngling, »du magst die Liebe willkommen heißen?«

Aber sie hielts nicht der Müh’ für wert, auf solch flehentlichen Vorwurf zu hören, und bedeutete lieber, daß sie aufgehört habe zu sprechen.

Stand einer auf, ein Redner; und brachte gar betrübliche Nachricht vor, wie jene Christensekte mit ihrer aufdringlichen Lehre sich ausbreite, sprach von dem Schaden jener weichlichen Religion, und wie die ehrwürdigsten Traditionen dabei zu Fall kommen mußten. Und er beschwor das unheilkündende Bild jener Ebene herauf, darin ein Kaiser und ein Philosoph inmitten einer großen und bestürzten Menge den Tod erlitt. Julianus! deinen Ruhm sang er, du Fahler, Gemeuchelter, du Opfer der neuen Lehre! du warst aus diesem Alexandrien hervorgegangen und trugst das Kleid des Weisen unter dem Purpur des Triumphators und trugst ein letztes Lächeln, wenn alle Männer so wie Weiber klagten — und was auch zu den Stufen deines Thrones flehte und drohte, dir waren die hohen Worte und die stolzen Gedanken eigen, die nimmer knien und dienen . . . .

Und da schrie alles Beifall zu solcher Glorie jenes gekrönten Bruders. Und als der Alte, an der Größe des Gegenstandes seiner Rede wachsend, in altehrwürdigen und glorreichen Sätzen die grüßte, die angesichts der Barbaren den Tod leiden um den Frieden der Welt, und die noch Edleren, die für die Macht des Geistes und um die Denk- und Grabmale zu kämpfen wissen, da sprangen alle auf, die Frauen wie die Männer, die Jünglinge mit dem siedenden Blut und die mit des Alters Frieren sprangen alle auf und lobpriesen den Redner und den Namen Julianus, und waren ganz eines Mundes darin, daß jetzt der Tag der berühmten Rede des Perikles neu gekommen sei.

Aber der Redner war alt und wußte sich selber keine Grenze. So entstanden gesonderte Unterhaltungen.

»Laßt uns auf die Götter und auf die Poesie vertrauen«, sagte ein Poet. »Wir werden über das gemeine Volk siegen wie unsere Väter dereinst über alle Barbaren siegten. Ein paar ihrer Anführer zählen doch zu den Unserigen!«

»Vergessen wir nicht,« unterbrach ihn da ein Römer und einstiger Befehlshaber einer Legion »daß diese Anführer nichts tun können. Wir lieben und verstehen zuviel Dinge, die Menge haßt uns wie sie das Serapeum haßt und alles das sie nicht begreift, und wenn wir uns nicht als Barbaren aufspielen, werden uns diese Barbaren zermalmen.«

Ein Gemurmel entstand, und Frauen verhüllten ihre Gesichter. Unterdessen sprach Amaryllis zu den Jünglingen, sehr singend und sehr leise:

»Wir sind Hellenen — aus Stolz. Aber wohin zielt unser Herz? . . . Von Phrygien, von Phönizien kamen sie uns her: Adonis, den die Frauen mit Küssen aufwecken, Isis, die Herrscherin, und die ewig gütige Große Artemis von Ephesus. Und vom Orient her kommen nun die Amulette, und die Namen ihrer Götter, die viel älter sind, erfreuen überdem die wahre Gottheit.«