Ein anderer sagte Idyllen her; und eine süße Heiterkeit badete sein Antlitz.
Schatten glitten jetzt in den Saal. Durch die offenen Türen zu den Terrassen drang ein wenig Kühlung ein. Auf dem Mosaik rückten die Jünglinge ihre Fußschemel aus Ebenholz näher zu den Polstern der Frauen. Die dunklen Linien der Truhen verschwammen mit Seide und Brokat; die Fresken löschten halb aus und sahen noch gläubig versunkener in diesem Helldunkel; der Saal schien höher und die marmornen Götter noch göttlicher.
Die Jungfrau, die ragend stand, blickte auf diese kleine Welt, die einzige unter den gegenwärtigen, von der sie wußte und die sie begriff und in der sie lebte. Und wenn sie manchmal eitle Phrasen und Seichtheit aus dieser Umgebung zuließ oder wenn sie tief hineinsann in den Schoß des Seins, verriet ihre edle Erscheinung nichts von allem . . . .
In diesem Augenblick quoll ein Geschrei von da unten auf und drang taumelnd ein in die Versammlung und fuhr über sie her, daß sie sich unruhig aufrichtete. Schmutziges Volk tobte am Fuße des Serapeums. Die Verwegensten hatten die ersten Stufen zum Tempel erstiegen. Da waren sie in widerlichen Lumpen, den Kopf hintübergeworfen, die Kehle und die Brust gebläht von Verwünschungen. Und der Name der Athene stieg hundertfach auf aus dem Haufen wie eine Blase aus einem giftigen Morast.
Die Jungfrau mußte sich nicht halten, sie lehnte sich nur leicht gegen den abbröckelnden Marmor des Geländers. Und wie sie über die gleichförmige Ebene der Dächer hinsah, waren ihr die dunklen Einschnitte der ans Serapeum angrenzenden Straßen wie die Abläufe des Schmutzes der Stadt und dieses unsauberen Pöbels.
Ein Alter nahm respektvoll die Hand des jungen Weibes und sagte:
»Weder anhören noch fürchten sollst du sie.«
Sie aber führte ihn sacht beiseit.
Da fragte Amaryllis: »Ist es möglich, daß die Tempel derer da unten von Frauen voll sind? Welch unendlicher Reiz mag von dem schönen Jüngling ausströmen, dem sie dienen!« Und sie fühlte sich hingezogen zu jenem Unbekannten, und sie fühlte sich ungleich mehr Schwester zu jenen verwegenen und furchtbaren Männern als zu diesen stolzen Römern, diesen ewig Spöttischen und Überklugen.