»Schauen wir nicht auf sie! Sie übersehen ist noch ein Vergnügen. Aber sie verachten dürfen wir nicht. Verachten will rohes Angespanntsein und würde uns diesen unnatürlichen Fanatikern gleichmachen.«
In diesem Augenblick wankte unter der Wucht der Menge eine der Anubis-Säulen, die den Platz schmückten, und stürzte hin — und ein Triumphgeschrei flatterte hoch, höher als die Staubmassen.
Athene wandte sich langsam um. Eine Hoheit ging aus von ihr, die die Wut eines Pöbels für nichts achtete, und sie stimmte eine heroische Hymne der Väter an und ihr Gesang über dem Sieggeschrei des Pöbels war wie ein königlicher Schwan auf bewegten Wogen.
Und da sie innehielt, die Kehle gebläht, keichend fast und unter dem Kuß des Gestirns, das fernhin in Gold und Purpur sich neigte, sehr verwandelt, erbebten die Jünglinge vor Liebe zu ihrer Schönheit. Ein majestätisches Schweigen trat hinter ihren Worten ein. Sie stimmte die schlaffen Saiten der Seelen hoch. Lucius, der am irdischen Abbild irgendeines Unsterblichen lehnte genoß eine tiefe und köstliche Wehmut.
Die Sonne sank an diesem Tag in einem großen Mal von Purpur und Blut, wie ein Sieger und wie ein Märtyrer. Sie war ins Meer untergetaucht das ganz blau herleuchtete, aber mit ihrem Widerschein setzte sie noch die Himmel in Brand . . . . Und Athene sah auf die Gärten, die brach lagen, und auf die zerstörten Laboratorien, und Bitteres und Ahnung zog in ihr Herz. Die Hand hob sie auf und mit einer leisen und eilen Stimme, während fern die Glocken von Mithra und die der Christen ihre Gläubigen zusammenriefen, die heulende Menge sich verlief und in der Kühle hier nur noch der Abend sang, redete sie also:
»Ich schwöre, auf immer das schöne Wort und den hohen Gedanken zu lieben und lieber das Leben zu lassen als meine Freiheit.«
Und ganz beruhigt und göttlich fast:
»Schwört alle, ihr Brüder!«
»Auf wen, Athene, willst du, daß wir schwören?«
»Auf mich, denn ich bin Hellas.«