Und sie alle hoben die Hände.

Aber nun, da die Feier zu Ende war, beeilte ein jedes sich, die Tunika zu ordnen und den Mantel neu in Falten zu werfen, um zu den Gärten hinauszugehn.

Amaryllis verhielt sich abseits und weinte. Dahin waren ihre Kräfte durch diesen Tag, an dem sie diese hohe Reine erlebte.

An der Jungfrau aber verriet nichts die Sehnsucht nach Einsamkeit, die solch große Versammlungen bei ihr hinterließen. Sie sah lange über ihre Freunde hin, und als sie die Verstörtheit der lieblichen Lydierin gewahr ward, umarmte sie sie vor allen. Beifall rief man. Und die artistischen Söhne Griechenlands verglichen die göttliche Jungfrau in der Umklammerung der schmiegsamen Orientalin mit jenen Säulen auf Paros, um die sich die rauschschweren Weinranken schlingen . . . . .

Und Lucius dachte bei sich: Wehe! Du hier, Athene, wolltest du uns nicht in die Sphäre reinsten Geistes erhöhen und uns alle die Illusionen rauben und verbieten, die unsere Tränen und die unsere Träume sind? Und sorgst du nicht, Athene, fürchtest du nicht, daß jener Einfältige uns noch viel mehr an sich reißt, Er, der die Werte unserer Weisen zutiefst zum Volk herabtrug und der, in seinem Tode wie in seinem Leben, die süßesten Qualen der höchsten Liebe auferstehen läßt . . . .

Die Wühlereien geschahen fort und fort. Die Feinde der Athene wurden immer verwegener, da sie ja unbestraft blieben, und der Pöbel nahm daraus dieses für sich, daß er die haßte, die Tag für Tag beschimpft wurde.

Den folgenden Versammlungstag brachte der Römer die Orientalin zur Jungfrau und spöttelte dazu:

»Ich stellte sie dir als eine Dienerin des Adonis vor . . . . heute muß man sie eine Christin schelten.«

Mit ihrer ganzen Weltfremdheit und Seelengröße antwortete Athene:

»Was tut das viel, Lucius? Nicht träg seinen Lebenstag verträumen, sondern nach dem Unbekannten verlangen, das ist der reine schmerzhafte Adel des Geistes. Du bist von ihm, Amaryllis, oder können wir dir, die du von einer freigelassenen Orientalin geboren wardst, das Mißgeschick zum Vorwurf machen, daß dir die heitere und endliche Form unbekannt blieb, die unsere Vorfahren, die Denker von Hellas, allem Verängstenden des Lebens zu verleihen wußten?«