[SPIEGELBILDER]

Wie des Traumes Fluten schwellen,
Meine Seele bebt, meine Seele bebt
Und mein Herz, versenkt in Traumesquellen,
Wird von Mondenschein durchwebt.

Tief im düstren Schilf, dem regungslosen,
Seh' ich tiefe Spiegelbilder weinen:
Schlanke Palmen, Lilien und Rosen,
Die sich in dem Wasserschoss vereinen.

Blüt' auf Blüte streut den Blätterkranz
Auf des Himmels Widerschein.
In des Traumes Flut, in den Mondenglanz
Gehen sie für ewig ein ...

[GESICHTE]

Ich seh' in meinen Träumerei'n
Die Tränen, die ich je verschwendet,
Die Küsse, die mein Herz verblendet,
Vorüberziehn in langen Reih'n,

Wie Mondlicht auf dem Wiesenrain,
Wie farbenlose Blumensterne,
Wie Wasserstrahlen in der Ferne,
Wie Lilien, welk im Mondenschein.

Dem schweren Schlummer matt entstiegen,
Seh' ich durch die geschlossnen Lider,
Wie Raben sich auf Rosen wiegen
Und Sonne lacht auf Kranke nieder.

Und langsam auf die matte Seele fällt
Die Schwermut all der unbestimmten Liebe,
Ganz still, als ob ihr keine Regung bliebe:
So ruht der stille Mondschein auf der Welt.

[GEBET]