Und ihre frevle Fruchtbarkeit
Geheime Süchte offenbart,
So düster wie das Herzeleid
Von Kranken, welche Schnee umstarrt.

Von ihrer Trauer überflort,
Seh' ich in Wunden voller Blutes
Der Wollust blaues Schwert gebohrt
Ins rote Fleisch des Übermutes.

O Herr, die Träume dieser Welt,
Wann sterben sie in meinem Herzen?
Gib, dass Dein Himmelsglanz erhellt
Das schlimme Treibhaus meiner Schmerzen

Und das Vergessen, das ich nimmer fand!
Und ihrer Fieber dürre Haide!
Die Sterne zwischen ihrer Lippen Rand
Und ihrer Sünden Eingeweide!

[GLASGLOCKEN]

Glasglocken ihr!
Seltsame Pflanzen, immerdar geschützt,
Und draussen stürmt der Wind durch meine Sinne!
Ein ganzes Tal der Seele ewig regungslos
Und feuchte Wärme, mittags eingeschlossen!
Die Bilder, die man an des Glases Oberfläche sieht!

Hebt niemals eine auf!
Auf alten Mondschein sind ein paar gestülpt.
Blick' durch das Blattwerk:
Es sitzt vielleicht ein Landstreicher auf dem Thron,
Man meint, Seeräuber lauerten auf einem Teich,
Und Vorwelttiere drohen Überfall den Städten.

Auf alten Schnee sind etliche gestellt,
Gestülpt sind andre über alten Regen.
(Habt Mitleid mit dem eingeschlossnen Dunst!)
Ich hör' ein Fest am Sonntag feiern in der Teurung,
Ein Lazarett ist auf dem Erntefeld,
Und alle Königstöchter irren an einem Fasttag durch die Auen!

Gib acht auf die am Horizont zumal!
Sie decken alte Ungewitter sorgsam zu!
O, irgendwo muss eine grosse Flotte im Sumpfe sein!
Und Schwäne haben, deucht mich, Raben ausgebrütet!
(Kaum sieht man durch den feuchten Dunst!)

Eine Jungfrau begiesst Farnkraut mit heissem Wasser,
Und eine Schar von kleinen Mädchen belauscht den Klausner in der Zelle.
In einer gift'gen Grotte Grund sind meine Schwestern eingeschlafen!