Sind Zeichen göttlicher Geburt;

Stolz, Heuchelei, Zorn, Prahlerei, Schamlosigkeit, Unwissenheit,

Wer diesen frönet, ist dämonischer Geburt geweiht.

An anderer Stelle werden Wollust, Zorn und Geiz die drei Pforten der Unterwelt (Hölle) genannt. Das entspricht alles der Apollinischen Lehre. Und doch ist im wesentlichen Krischnas Lehre weit von dieser entfernt, denn ihr Grundzug ist die absolute Entsagung; frei von Begierden, aber auch frei von Gefühlen. Den Menschen soll kein Leid anfechten, aber auch keine Freude erfreuen, die Sinnenwelt soll ihm nichts gelten:

In jedem Ding der Sinnenwelt sind stetig Lieb’ und Haß vermählt,

Die beiden sind des Weisen Feind; drum frön’ er nicht der Sinnenwelt.

Und an anderer Stelle:

Dem Eifer geht das Wissen vor, dem Wissen die Beschaulichkeit,

Entsagung der Beschaulichkeit, und ihr die Unerregbarkeit.

Das ist nichts Apollinisches, Apollon ist der Gott des maßvollen Lebens, er ist auch der Gott der schönen Sinnenwelt. Krischnas Lehre hat im späteren Buddhismus ihre Höhe erreicht ([S. 214] f.). Und wirklich wird der Buddha als neunte Inkarnation Wischnus angesehen. Nach der Meinung der Wischnuiten gibt es unzählige Buddhas, die jedesmal erscheinen, wenn die Welt in Genuß, Sünde und Leiden versunken ist. Der geschichtliche Buddha ist einer von ihnen. Und der Zweck der Lehre? Nicht die Menschheit apollinisch zu immer höheren und höheren Idealen zu führen, sie immer mehr dem Schönen und Guten zu unterordnen, sondern ihr den Willen zum Leben zu nehmen, daß die Menschen nicht im Kreise der Seelenwanderung wiederkehren, daß sie in das allgemeine Nirwana — Krischna, als das Allwesen, sagt: in ihn — eingehen und aufgehen. Davon später.