»National-Zeitung«, Berlin.
Eine ungewöhnlich interessante Veröffentlichung ist das Prachtwerk »Max Klingers Beethoven«. Das Werk, das im gesamten Schaffen Klingers einen Gipfel bedeutet, wird von Frau Elsa Asenijeff in einem trefflichen Text erklärt, der die zahlreichen Illustrationen – 8 Heliogravüren, 23 Beilagen und Abbildungen im Text – wirksam unterstützt, zumal da Frau Asenijeff in der Lage ist, auch zu der Entstehungsgeschichte des Werkes die interessantesten Ausführungen beizubringen, insonderheit über die grosse Schwierigkeit, den Thronsessel in Bronze zu giessen, was erst in Pierre Bingens Werkstatt in Paris gelungen ist und von Frau Asenijeff in den einzelnen Stadien ausserordentlich dramatisch erzählt wird. Die Schilderung des Bronzegusses ist eine Meisterleistung.
»Vossische Zeitung.«
Roman von Paul und Victor Margueritte
(Einzig autorisierte Ausgabe von U. Fricke)
Preis brosch. M. 4.–, geb. M. 5.–
In dem hervorragenden Roman »Neue Frauen« von Paul und Victor Margueritte, einem Brüderpaar, das zu den berühmtesten französischen Romanschriftstellern der Gegenwart zählt, werden neben glänzenden Schilderungen der Gesellschaft und der unteren Volksmassen, die »neuen Frauen« als Vorkämpferinnen der Frauenbewegung verherrlicht, die auf diesem Wege die sociale Frage lösen wollen. Und diese Frauen nun haben auch die idealen Forderungen der Reinheit des Mannes vor der Ehe, der sittlichen Gleichberechtigung beider Geschlechter auf ihren Schild geschrieben. So schlägt die Heldin des Romans zwei Eheprojekte wegen der »Vergangenheit« der Werber aus. Der Roman ist glänzend geschrieben, unterhaltend, wertvoll und für jeden, der »Vera« kennt und für die Frauenprobleme etwas übrig hat, von brennendem Interesse.
Die Kritiken über Paul und Victor Margueritte, Neue Frauen, sind insgesamt lobend und empfehlen das Werk in jeder Hinsicht zur Lektüre. Eine Kritik sei hier wiedergegeben aus dem »Staatsanzeiger für Württemberg«, Stuttgart:
»Der fesselnd geschriebene französische Roman behandelt Probleme, die mit der modernen Frauenbewegung zusammenhängen, übrigens wegen Ihres rein menschlichen Gehalts der Teilnahme auch der Parteilosen sicher sind. Die Geschichte dieses Romans ist für eine Doppelautorschaft von einer seltenen Einheitlichkeit und Folgerichtigkeit. Die Darstellung der vorhandenen Konflikte glüht von Begeisterung für die höhere Sittlichkeit der Menschen der Zukunft, welche die Seelen läutern wird. Die Heldin, die in schweren Stunden für das Recht der Selbstbestimmung als Frau und Tochter mit Energie eintritt und sich im Kampf des Lebens die echte Weiblichkeit bewahrt, ist eine sympathische Frauengestalt, der Idealtypus der Frau der Zukunft, wie ihn die Verfasser und mit ihnen gewiss noch viele andere erträumen. Auch radikale Typen des weiblichen Geschlechts sind vertreten, der Blaustrumpf und die geschworene Männerfeindin, jedoch nicht zur Abschreckung, als Lächerlichkeiten. Die Verfasser lassen keinen Zweifel darüber, dass für sie die Frau der Zukunft so nicht aussieht. Der Roman entwickelt die Ereignisse von innen, vom Charakter der Personen aus und verbindet so mit der Erörterung zeitgemässer Fragen eine treffende Psychologie, die ihm in erster Linie seinen Wert verleiht.«