»Etliche Weiber ziehen auch gern in die Sauerbrunnen und warme Bäder, weilen ihre Männer zu alt und kalt sind,« sagt Glauber, und Guarinonius pflichtete ihm bei, indem er gewisse Frauen nur deshalb Bäder besuchen lässt, damit sie dort »lustig ihren Ehemännern eine waxene Nasen träen kunden«. Aber ehrbare Frauen waren dies keineswegs. Solche liessen sich, wie dies 1649 in Baden bei Wien geschah, in den Saum ihres Badehemdes Bleistücke einnähen, oder trugen Badekleider, die wohl Brust und Arme freiliessen, aber den Unterleib verhüllten. Und zeigten sie sich auch vielleicht in voller Nacktheit, so gaben sie doch ebensowenig ihren Körper preis, wie dies die Japanerin thut, die bei der Toilette und im Bade den Zuschauer unbeachtet lässt.
Die Badevorstände boten auch alles auf, die honetten Frauen vor Übergriffen zu schützen.
In der Badeordnung vom Jahre 1594 für das württembergische Bad Boll bei Göppingen findet sich daher die Vorschrift: »Schandlose, üppige Wort, und sonsten verkleinerliche Nachreden, sowohl auch ergerliche Lieder und Gesäng sollen bei Straff eines halben Güldens verboten sein, desgleichen unzüchtige Geberden und Erzeigungen gegen Erlichen Frawen und Jungfrawen, bey unnachlesslicher Straf eines Güldens, so oft das geschicht.«
Suchte Poggio in Baden Heilung seines bösen Rheumatismus, so galt dieser Kurort doch vornehmlich als unerreicht in der Behebung der weiblichen Sterilität. Deshalb ist es sehr amüsant, den Eifer zu beobachten, mit dem sich Nonnen und Mönche bemühten, eine Badenfahrt ermöglichen zu können. Die Äbtissin vom Fraumünster in Zürich veräusserte nur zu diesem Zwecke 1415 einen Meierhof; die Klosterfrauen von Töss erkauften durch grosse Summen die päpstliche Erlaubnis, sich in weltlicher Kleidung unter ihrem Nonnenhabite in Baden erholen zu dürfen. Und das Leben dort war teuer, denn der Basler Kaplan Johannes Knebel verbrauchte 1475 im Monat Juli mit Magd und Diener in Baden zehn rheinische Gulden, über 500 Mark neuzeitlicher Währung. Thomas Murner sagt darum mit Recht im »Geuchmatt«:
»Im meyen farend wir gen Baden,
Lug das der seckel sy geladen ....
Denn syn natürlich würckung thut
Das du verdouwest gelt und gut.«
In den Werken der Mittelhochdeutschen spukte die Sage von einem Heilbade mit gar seltsam wunderthätiger Wirkung:
»Dies Wasser hat so edle Kraft,