Der edle Gerstensaft, der im Zeitenlauf den urdeutschen Met gänzlich verdrängt und dem Wein als Volksgetränk nur ein räumlich sehr beschränktes Feld überlassen hat, um geradezu zum Wahrzeichen aller Völker deutscher Zunge zu werden, besaß im Altertum einen ungleich größeren Verbreitungskreis als heutzutage, trotz des Siegeslaufes des deutschen und deutschböhmischen Bieres durch die Welt.

Wo zur Zeit das Bier selbst dem Namen nach vollständig vergessen ist, war es in der Vorzeit allbekannt und allbeliebt.

Vom alten Pharaonenland am Nil erzählt Herodot, der Vater der Geschichte: »Wein bereiteten sie sich aus Gerste, denn Reben wachsen in ihrem Lande nicht«.[17] Nach Diodor von Sizilien soll Osiris, der oberste der Götter, nachdem er alle Teile der bewohnten Erde besucht, um die Nährfrüchte aller Völker kennen zu lernen, seinem Heimatlande dort, wo der Anbau des Weinstockes auf Hindernisse stieß, einen Trank bereiten gelehrt haben, »der aus Gerste gebraut wird, und nicht viel zurücksteht hinter dem Wohlgeruch und der Kraft des Weines«.[18]

Etwa 25 n. Chr. Geb., als der große Geograph und Kompilator Strabo wirkte, trank man in Alexandrien diesen, wie Theophrast zuerst angibt ζῦθος (züdos) genannten Trank allgemein.[19] »Die Ägypter«, sagt der Akademiker Dio bei Athenäus,[20] »ein sehr zum Trinken geneigtes Volk, haben für alle, die zu arm sind, sich Wein zu schaffen, einen Ersatz erfunden, nämlich den Wein aus Gerste. Wenn sie diesen zu sich nehmen, sind sie lustig, singen und tanzen, kurz benehmen sich, als wären sie süßen Weines voll.«[21]

Im ältesten Ägypten warnte einst ein bejahrter Schreiber seinen jüngeren Kollegen vor allzuhäufigem Genuß des »Heg« oder »Hag«, dem auf den Bilderschriften so häufig wiederkehrenden Namen des Bieres, und vor dem häßlichen Geruch der Bierkneipen.

Von den oberhalb Ägyptens hausenden Äthiopiern berichtet Strabo: »Sie leben von Hirse und Gerste, von der sie sich ein Getränk bereiten.«[22]

Aber auch im alten Spanien war bei den sich genealogisch und kulturell verwandten iberischen Stämmen das Bier seit unvordenklichen Zeiten heimisch.[23]

Plinius schätzte Spanien als vorzügliches Bierland, dem sogar die Kunst nicht fremd war, Bier aufzubewahren und durch Alter zu veredeln. Strabo hingegen meldet von den Bergbewohnern Iberiens, daß sie Bier mit Vorliebe, Wein hingegen nur selten tranken und ihn, sobald sie ihn erhielten, sofort verbrauchten. Hieraus läßt sich meines Erachtens mehr auf die Seltenheit des Weines, aber weniger auf seine Zurücksetzung gegenüber dem Bier schließen, wie einige Kommentatoren glauben. Jedenfalls aber war das Bier im heutigen Land des Südweins Nationalgetränk, was auch aus einer Erzählung des Polybius[24] von einem halb gräcisierten iberischen König hervorgeht, der in der Mitte seines Palastes goldene und silberne Gefäße aufgestellt hatte, die edler Gerstensaft bis zum Rande füllte.

Den Namen des altklassischen Bieres gibt Plinius mit Celia und Ceria für Spanien, und mit Cerevisia für Gallien und »die anderen Provinzen« an.