Am häufigsten trank man St. Gertrudis, St. Stephans- und zu Weihnacht St. Johannis-Minne.

Die alten Sachsen feierten auf den Gräbern Gelage zu Ehren der Manen ihrer Verstorbenen. Sie besprengten die Gräber mit dem Trank, wie es auch die Mainzer Frauen am 29. November 1318 taten, als sie den Sänger Heinrich Frauenlob zur ewigen Ruhe brachten.

Wie im sonnigen Süden Nektar der Göttertrank gewesen, so galt dem Norden der von einzelnen glücklichen Seefahrern aus endlos entfernten Ländern zu den heimischen Gestaden hin und wieder gebrachte Wein als seltene, daher nur des deutschen Zeus würdige Labe.

Doch Odin erfreute sich noch eines anderen, nationalen Trankes, einer Metart, deren Grundstoffe statt der hergebrachten Stoffe, Honig und Wasser, an Stelle des Wassers aus dem ganz besonderen Saft, dem Blut, bestanden. Mimi, der Riese, besaß den Kessel Odrerier, der eine wundersame Flüssigkeit barg.

Zwei Zwerge, Fjalar und Galar, sollen einst aus Honig und dem Blute Kwasirs den Trank bereitet haben; Kwasir, der weiseste der Männer, der dadurch entstand, daß die Asen und Wanen, die feindlichen Göttergeschlechter, den Friedensschluß durch gemeinschaftliches – Spucken in ein großes Gefäß besiegelten. Aus diesem Speichel erstand jener Kwasir, der auf alle Fragen die lösende Antwort wußte. Als er auf der Erde umherzog, die Menschen seine Weisheit zu lehren, erschlugen ihn die beiden Zwerge, um sein Blut zu erlangen.

Die rettende Wirkung und die weisheitsvolle Kraft des wundersamen Trankes erweckten Odins heißeste Begierden, den Kessel samt seinem Inhalt in seinen Besitz zu bekommen. Doch, der Hüter des Schatzes, Suttungr, ließ ihn im Felsen Hnitbjorg Tag und Nacht von seiner Tochter Gunnlod bewachen.

Unter dem Namen Bolverker besuchte Odin den Suttungr, ohne ihn zur Hergabe eines Trunkes aus dem Odrerier bewegen zu können, darum nahm der Gott seine Zuflucht zur List. In Schlangengestalt bohrte sich Odin einen Weg durch Hnitbjorg zu Gunnlod, die er betört, und in deren Armen er drei Tage ruht, ehe er in mächtigen Schlücken den ganzen Kessel austrinkt. Mit dem Wundertrank im Leibe wandelt er sich in einen Adler, fliegt zur Himmelshöhe auf, um im Assgardr, seiner Wohnung, den Inhalt des Ordrerier in einen Kessel zu spucken, der fortan in der heiligen Burg der Götter verwahrt wird.[11] Odin ist übrigens wie sein hellenischer und römischer Götterkollege ein Schwerenöter ärgster Sorte, der Herzen bricht und die armen Mädels dann einfach gewissenlos sitzen läßt. So machte er es auch mit der armen Gunnlod und ihrem Söhnchen Bragi. Das, was sie bewachen sollte, war sie los, dafür hatte sie ein Kind am Halse. Ja, so sind die Götter und die – Mädchen!

Durch den Wundertrank erlangte Odin göttliche Allwissenheit und ewiges Gedächtnis – im Gegensatz zu dem antiken Lethe, dem Trank des Vergessens.

Ja, der altgermanische Met war ein Tränkchen, dessen Vollgenuß man nicht so leicht vergaß. Wer den braunen, reichlich süßen Saft einmal zu sich genommen, z. B. in jenem uralten Metkeller Wiens, dem »süßen Löch'l«, der erinnert sich, auch nach Jahren noch, mit recht geteilten Gefühlen der bittersüßen Nachwirkungen, die sich mild aber doppelt äußern, ehe sie als geradezu unverwüstlicher Kater ausklingen. Brrrr!