»Nimm dir, du wirst doch jetzt etwas essen, von deinem Enkerl« sagte die Mutter, die Gelegenheit benützend, und zu Arnold leise: »Sie hat zwei Tage lang nichts zu sich genommen.«

»Ich hab ka Appetit.«

»No eine Kleinigkeit« schmeichelte er »wenn ich dich schön drum bitt.«

Sie kam mit ihrer Hand der seinen, die das Bonbon reichte, schwach entgegen und steckte es in den Mund. Resigniert schloß sie die Augen, wie eben ein Wohlerfahrener, der dem minder Erfahrenen zum Spaß einmal nachgibt. Darauf fiel ihre Hand langsam wieder auf die Decke zurück: »E Mensch soll nix essen, wo er ka Appetit hat … für e kranken Menschen is das nix …« Sie seufzte auf. »Nur herümgehn wenn ich könnt …«

»Es wird schon wieder werden« tröstete die Mutter. »Nur Geduld. Eine gute Patientin, was? Noch ein bißchen Fieber?« Sie tastete ihr auf die Stirn. »Nicht so arg.«

»Das verfluchte Fieber, ja ja …« Die Kranke keuchte wieder und hustete ein wenig, wobei es den Anschein hatte, als übertreibe sie, aus Zorn, nicht völlig gesund zu sein oder als spiele sie die Wehleidige, wie ein Kind, um sich interessant zu machen. Dieses regelmäßige Keuchen erweckte jedenfalls keine Besorgnis. »Wie ich voriges Jahr operiert bin worden, hab ich gar ka Fieber gehabt, und jetzt diese Geseres. Alle Kränk auf krumm Gitel …«

»Das ist die Medizin, nichtwahr.« Die Mutter kramte am Fensterbrett »wo ist aber das Löfferl?«

»Ich hab ka Löfferl – ich trink mir e bissel aus dem Fläschel.«

»Aber da kannst du doch nie wissen, wie viel.«

»Mei Deige! Bis ich halt genug hab.«