Es klopfte.
Herein trat Frau Lichtnegger, eine große hellblonde Frau im Kopftuch, mit ihrem Buben, der schnell beim Eintritt den Finger in den Mund steckte. Sie wollte sich, wie täglich, nach dem Befinden der Frau Goldberg erkundigen; vorsichtig und bescheiden kam sie näher, stieß aber plötzlich einen Freudenschrei aus: »Nein, das ist ja unmöglich. Wenn Sie sie gestern gesehn hätten, Frau Beer. Das ist ja gar kein Vergleich. No geh's nicht besser, Frau Goldbergen … Sie hat halt Freude, daß Sie da sind … Und das ist der Herr Sohn, nichtwahr.« Arnold verbeugte sich befangen. Die Großmutter sprach zu ihr wie zu etwas Fremdem, nicht ganz auf gleicher Stufe Stehendem: »Nehmen Sie doch Platz, liebe Frau …« und redete überhaupt so still und sanft mit ihr, daß man sich ein Zanken von diesem Ton aus gar nicht recht vorstellen konnte »wie geht's denn?« Und zum Buben: »No, mei kleins Schekitzele.« Auf die wiederholte Frage der Frau Lichtnegger, wie sie sich heute fühle, antwortete sie mit einem traurigen, sehr absichtlich scheinenden Kopfschütteln. »Kein Vergleich mit gestern« flüsterte die Maurersfrau der Mutter zu.
Die Mutter brachte eben die warmen Würstchen vom Herd, lud auch die Gäste ein. Man aß von einem ausgebreiteten Papier weg … »Nun, Mutter, was wirst du essen?«
»Ich hab ka Appetit.«
»Ein bißchen Himbeersaft mit Kuchen.«
»Ich hab ka Appetit.«
»Aber du mußt doch etwas essen, – eine Grieskasch?«
»Vielleicht eine Omelette« mischte sich Frau Lichtnegger ein und die zwei Frauen bedrängten mit wohlgemeintem Eifer die Greisin, so daß Arnold sie bemitleidete, doch zugleich, da sie fest blieb, anstaunte. Sie hatte nun einmal keinen Hunger, als Fieberkranke. Er sagte es laut.
Die Mutter war bös: »Hat man dich gefragt?«
»Eppes hat mir heint geträumt« sagte die Großmutter, an so unvermittelte Übergänge mußte man sich hier gewöhnen »Sie können auch zuhören, Frau Lichtneggern, von dei seligen Lehrer Schmidt, nebbich, daß er mir hat erzählt, wie damals, von dir, Regie …«