Sie murmelte etwas.
»Ich sitz lieber so bei dir, recht nahe, Großmutter. Das ist mir lieber.« Obwohl er alles, was er sagte, herzlich fühlte, ja herzlicher, als er es aussprach, kam ihm doch vor, als rede er nur, um ihr das Stichwort zu geben.
Sie wandte ihm denn auch das Gesicht zu, in dem wieder der Zug von Schmerz, eigentlich mehr von Ungeduld, sich zeigte: »Ich möcht scho gern unten sei, unter der Erd. Oben war ich halt scho genüg, es freut mich nimmer, ich hob genüg gehabt, glaub mir. E Sof möcht ich machen.« Plötzlich aber erhob sie sich aus dem Klageton und ein wenig stärker, für die Mutter berechnet, begann sie zu schelten: »Awere, mit den Würstlach wärech scho lang fertig. Das is e Kocherei.«
»Ich bin ja auch schon fertig« antwortete die Mama, sichtlich stolz darauf, daß sie ihren Humor nicht verlor »deine Kocherei natürlich, da hast du's leicht. Immer Koffi und Koffi noch und wieder.« Wie ein Dolmetsch wandte sie sich an Arnold: »Die Mutter trinkt nichts als Kaffee, das ist ihr Liebstes …« und leiser »Gut, daß sie uns heut keinen kochen kann. Mich ekelt's, aus dem Zeug da zu trinken.«
Arnold, der die Reden seiner Mutter überflüssig fand und diesen Ton eigentlich weniger verstand als den der Großmutter – offenbar lagen da Verhältnisse zu Grunde, die er nicht kannte, noch aus alten Zeiten her – sagte ihr leise scherzend ins Ohr, wie ein Verbündeter: »Daraus machen wir uns nichts, was?«
Die Alte drehte ihr Händchen, das auf dem Federbett lag, um, mit der Handfläche nach oben und dann wieder zurück – eine stumme Verachtung oder Hoffnungslosigkeit.
»Was macht denn Deine Maus, Mutter, tanzt sie Dir immer noch zwischen den Kochtöpfen« spottete die Mama weiter, offenbar um zu belustigen. »Da ist ja die Falle …« Sie zog aus einem der für Arnold unergründlichen Haufen ein Gitterwerk: »Leer …«
»Das Mäusile« lächelte die Großmutter, fast gutmütig. »Was macht denn mei Mäusile. Do hab ich 'r Speck 'reigetue und sie frißt en weg und läuft heraus. Is sie nicht drin?… Hast e Chutzpe gehabt.«
»Auf Dich wird sie warten, wenn Du ihr so altes Zeug hinstellst. Aber ich hab Dir doch unlängst eine ganz neue gekauft, wo ist sie denn?« Sie stieß Arnold leise an, aber doch so, daß die Großmutter es hören mußte: »Sie wird sie verkauft haben …«
»Der Maurer hat mir geraten« schwenkte diese mit natürlicher Überlegenheit ab »ich soll ihr Glas vor das Loch streuen. Also hab ich Glas gesammelt und ihr gestrien, do stechen se sich herch.« Sie ächzte. »Wenn ich nur wieder gesünd wär und aufstehn könnt. Das is ka Naches, so zu liegen. Nur gesünd sein, wenn mir Gott gibt.« –