Arnold wagte es: »Mir scheint, Mama, du behandelst sie nicht ganz richtig. So alte Leute haben ihren eigenen Kopf. Sie möchte sich halt lieber mit dir ruhig aussprechen, wenn du schon herkommst, als daß du ihr die Ordnung störst …«
»Aber wer soll's denn machen! Sie würde ja im Schmutz ersticken« erwiderte die Mutter mit viel Berechtigung.
Da erwachte die Großmutter: »Ich hab e Naches, daß se fort is.«
»Wer denn?«
»Die Orlte, die dumme, die Reschainte …«
Die Mutter nahm alle ihre Geduld zusammen: »Aber so darfst du doch nicht reden. Was fällt dir ein. – Frau Lichtnegger ist so gut zu dir.«
»Der Schlag soll sie treffen« zürnte die Greisin, jetzt lauter als bisher während des ganzen Tages. »Was kommt se her und redt und redt! Lauter Stuß. E Patsch von e Chochem is m'r lieber wie e Kisch von e Chamer. Das Gebitz nemmt se einem heraus mit ihrem Gebember und Geschmus.« Sie griff sich jammernd an den Kopf: »Mei Seide-Möach.«
»Mir scheint, es geht dir schon wieder gut. Du wirst schon wieder lustig.« Die Mutter fühlte ihr den Puls. »Das Fieber hat nachgelassen. No, geht's nicht besser?«
Die Großmutter schüttelte den Kopf, obwohl man es ihrem strahlenden Blick ansah, wie sie sich im Schlaf erquickt hatte, – sie war gegen ihren Willen gleichsam krank geworden, sie dankte jetzt auch niemandem für ihr Besserbefinden. Nur trotzig meinte sie: »Wenn ünser Herrgott mich nix gesünd sei loßt und nix verdienen loßt, so soll er mich ach nix leben lassen.«
»No das mußt du ihm schon selbst sagen« lachte die Mutter »per Telephon vielleicht. Vielleicht hast du eine bessere Verbindung mit ihm als ich. Er folgt halt meist genau so wie du folgst.«