Frisch gewagt, ist halb gewonnen. Besser sich sofort entschließen, und sei es auch falsch, als die Entscheidung aufschieben. Der Instinkt kann Ihnen helfen, die Vernunft niemals, mit eingebildeten Berechnungen leitet sie uns irre. Überlegen Sie nichts, hören Sie auf niemanden, eilen Sie . . . (ab.)
DER DRITTE:
Sie können machen, was Sie wollen, Sie fallen doch hinein. Das Leben ist so dreckig. Je gescheiter Sie es anzupacken glauben, — es kommt immer anders. Nur der blinde Zufall regiert. Das Einzige, was ich Ihnen raten kann: Hängen Sie sich auf . . . (ab.)
KLÜGRIAN (zurückkehrend, bebt noch vor Zorn):
Ich verstehe dich nicht . . .
KUNSTREICH (wieder an der Arbeit, sehr zart):
O ja, ich glaube ihn zu verstehen . . . Wenn ich zu Hause male und allmählich glaube, daß da etwas Vollkommenes aus mir entsteht, wenn ich von reinen Visionen so umfangen bin, daß ich gar nicht begreife, wie mich vorher etwas anderes angehn konnte, wenn ich im voraus den Tag verfluche, an dem mich vielleicht wieder etwas anderes angehn wird: dann verstehe ich unsern Orosmin, dann erfüllt dieselbe Wonne mein Herz wie ihn. Der Genuß des Unendlichen. Die tödliche Wonne dessen, der in seine einzige Idee so verstrickt ist wie die Fliege in das Spinnennetz . . . (Er sieht seine Zeichnung an, die er dann einsteckt.) Alles schlecht, falsch! Auf der Reise verliere ich meine Disziplin, ich hätte zu Hause bleiben sollen. O, wie freue ich mich schon auf mein Eckzimmer, auf meine einsamen Tränen . . .
OROSMIN (spricht jetzt erst wieder):
Du Armer! . . . Keine Flüche, keine Spinngewebe, keine Disziplin, keine Tränen . . . Ich hause im offenen allmenschlichen Wald . . . Ich brauche die Einsamkeit nicht und nicht den Fleiß, ich kann unter Leute gehn und nach Belieben mich mit ihnen ergötzen. Denn ich lebe in der Harmonie, die im Grunde das natürliche Wesen aller ist, ich lebe normal, ich halte mich von Übertriebenem fern, ich tue nichts als genau das Richtige . . .
KLÜGRIAN (stößt Kunstreich, der lauscht, zur Seite):