»O, Herr, der Regent hat befohlen: am Tage, wo Ihr vom Meere wieder nach China zurückkehren würdet, dürfe kein Mann sein Haus verlassen und kein Mann die Straße betreten, da die Eifersucht der Männer grenzenlos ist, und weil dich alle Männer hier hassen.«

Ata-Mono sagte verwundert: »Ich habe seit Jahren keine Männer gesprochen. Warum hassen sie mich, und warum sind sie eifersüchtig auf mich?«

»Herr, Ihr wißt nicht, daß der Regent tief betrübt war, weil Ihr, der Ihr der Erste seid, der die Sprache der Bäume verstand, – weil Ihr China den Rücken kehren wolltet.«

Ata-Mono staunte:

»Ich habe es niemand erzählt. Woher weiß der Regent, daß ich die Schrift der Baumrinden lesen kann?«

»Herr, man sah Euch ja täglich in Eurem Heimatort an allen Wegen, in allen Wäldern, wie Ihr laut die Sprache der Bäume entziffert habt. Die Menschen standen in Scharen um Euch und lernten von Euch das Lesen der Rinden. Und jetzt lesen alle unsere Männer und verstehen die Sprache der Bäume wie Ihr.«

»Sind sie deswegen eifersüchtig, eure Männer, weil ich der Erste war, der die Sprache der Bäume verstand?«

»O nein, Herr, sie sind eifersüchtig, weil der Regent am Tag, da Ihr China den Rücken wendetet und ans Meer gingt, geschworen hat, daß Ihr an dem Tag, an dem Ihr umkehren würdet und unter sein Volk zurückkehren, – daß Ihr dann die Wahl haben würdet unter allen Frauen, ob verheiratet oder unverheiratet, ob hoch oder niedrig; ja, die Regentin selbst dürft Ihr als Frau Euch erwählen. Aber Ihr müßt Euch entscheiden, ehe die Sonne dieses Tages untergeht. Habt Ihr dann nicht gewählt, wird man Euch morgen töten. Der Regent will, daß Ihr, tot oder lebendig, jetzt im Lande bleibt, und daß Ihr nicht den Ruhm des Landes gefährdet, daß Ihr nicht auswandert oder eine Frau aus einem andern Volke wählt als aus dem unsern.

Die Männer, die vorhin von den Türmen gestürzt wurden, waren die Männer von den vier schönen Töchtern des Regenten; diese vier Männer wollten Euch töten, ehe Ihr die Stadt betreten hättet, weil sie bei Eurer Brautschau für ihre Frauen fürchteten.«

Ata-Mono sagte: »Alle hunderttausend Frauen des Landes sind mir willkommen. Sowenig, wie ich jetzt mehr den Willen zur Unsterblichkeit habe, sowenig Willen habe ich zur Liebeswahl. Ich werde also morgen sterben. Warum bin ich nicht schon vorhin gestorben, als der Pfeil zielte und die Speere eine Frau töteten, statt mich zu töten?«