«Ach, Herrin, seht, der Papagei liegt im Sterben!»
Aber wie war sie verblüfft, als Hanake sie abwies und lächelnd zu den Gästen sagte:
«Ich glaube, meine Magd ist irrsinnig geworden von der Ehre, die uns heute widerfuhr. Sie zeigt mir den Papagei, der seit gestern tot ist, und der uns heute schon helfen mußte, einen kaiserlichen Prinzen zu belügen.»
Im Zimmer wurde es still, wie wenn alle Spatzen aus einem Baum fortgeflogen sind.
Alle Gäste verstanden, daß der Prinz dagewesen war, alle verstanden, daß Hanake ihn nicht liebte; und daß man einen Prinzen belügen könnte, war ihnen auch noch verständlich. Aber welch ein Frevel, laut über den Sohn des Himmels zu spotten und einzugestehen, daß man ihn belogen hatte!
Als wären allen Gästen die Teetassen aus den Händen gefallen, und als wäre der Tee vergossen, so erschrocken saßen alle und starr. Keiner rührte mehr einen Teeschluck an. Und als Hanake mit kalten, glitzernden Augen sagte:
«Der Prinz wird nicht von dieser Lüge sterben. Ich bin auch nicht an seiner Liebe gestorben», – da schlossen die Freundinnen vor Schreck ihre Augen. Die Männer richteten sich auf, und wie eine Schar Krebse, die nach rückwärts krabbelt, verließ die Freundesschar das Gemach, teils aus Furcht, weil in diesem Haus gegen den Sohn des Himmels gefrevelt wurde, teils erschrocken, vor Hochachtung, weil die Luft hier noch voll sein mußte von der Leidenschaft und der Nähe des kaiserlichen Prinzen.
Unter kaum hörbar gewisperten Entschuldigungen verließen die letzten das Haus, bestürzt und eilfertig, als wären die Zimmer des Hauses voll Feuer, das sie alle verbrennen könnte.
Hanake aber ließ das Zimmer aufräumen, ließ sich von der Singenden Seemuschel eine Schlummerrolle unter das Genick schieben, streckte sich auf der Diele aus und schlief fest ein.