Die untergehende Sonne schminkte den Himmel wie das Gesicht eines Freudenmädchens. Karminrosig und violett silbrig färbten sich alle Wolken über dem Biwasee, wie die fünftausend Mädchengesichter auf dem Liebesmarkt zu Tokio.

Dann hörte Hanake lautes Gelächter, laute Männer- und Frauenstimmen, das Räderrasseln von kleinen Rikschawagen und das Geschrei von Kulis. Eine Schar ihrer Freunde und Freundinnen war in Wagen und Tragsesseln von der Landstraße hergekommen und rief jetzt von draußen ins Haus nach Hanake. Dann drängten die Gesichter ihrer Freunde und Freundinnen in das Nebenzimmer, und Hanakes Gesicht wurde wieder höflich und freundlich und unbeschrieben wie eine weiße Eierschale.

Sie warf noch rasch einen Blick aus dem Fenster. Das Segel des kaiserlichen Bootes war hinter der Seehöhe verschwunden. Der See lag gradlinig, und nur wie eine kleine, schwarze Schnur zog sich am Horizont das Kielwasser des verschwundenen Bootes hin. Die Kielwelle erreichte nicht mehr Hanakes Haus und verlor sich wie ein abgerissenes Band draußen auf der Seefläche.

Hanakes Herz war leichter. Sie trat aus dem Seegemach in das nebenanliegende Gemach, in das die Freunde hereindrängten. Das Haus war jetzt voll von zwitschernden Frauenstimmen und gurgelnden Männerkehlen, die den Atem auf japanische Sitte laut und achtungbezeugend einzogen.

Nachdem alle eine Weile voreinander auf den Knien gelegen hatten und sich verbeugt hatten, rutschten alle zusammen, bildeten einen Halbkreis um Hanake und hockten auf den Seidenkissen am Boden, und das Zimmer war laut wie ein Baum, in dem eine Sperlingschar plaudert.

Gerüchte, daß ein kaiserlicher Prinz sich nach Hanake umsähe, hatten sich bei den Freunden verbreitet; aber niemand wußte Genaues, und niemand wußte vom Besuch des Prinzen. Alle waren des Mordes wegen gekommen, der sich auf dem See in der Nähe von Hanakes Haus ereignet haben sollte. Sie wollten wissen, ob Hanake den Schuß gehört habe? Ob der Europäer fehlgeschossen oder auf den Japaner gezielt habe? Ob Hanake damals am Fenster gestanden habe? Und ob nach dem Schuß das Seewasser rot von Blut gewesen sei? –

Hanakes Gesicht verlor keinen Augenblick die starre Politur. Die Magd hatte ihr, als sie aus der Ohnmacht aufgewacht war, das Scharlachgewand ausgezogen und ihr ein blaues Gewand gereicht, auf dem nur Seewellen und Wolken eingewebt waren, und hatte die Schminke und den Puder erneuert und den klingenden Haarschmuck in ihrem Haar fester gesteckt, als man das Herannahen der Freunde hörte.

Jetzt reichten die Singende Seemuschel und die anderen Mägde den Gästen Tee und Pfefferminzzucker herum und kleine, winzige Kuchenwürfel.

Als die Schar der Fragen sich wie eine Dornenhecke um Hanake aufbaute, suchte die Singende Seemuschel nach einem rettenden Gedanken, um ihrer Herrin zu helfen. Sie lief fort, holte den toten Papagei, kam wehklagend herein und sagte: