O Götter! Deine Augen quellen dir aus dem Kopf! Samurai, bist du vergiftet? Suchen deine Hände dein Schwert an den Hüften? Ich will dir's bringen. Verzeih, wenn ich dein Eigentum versteckte. Dein Schwert ist hier im Lackhaus, im Wandschrank.»

Während das junge Mädchen noch flehte, hatte sich der Mond bedeckt. Aber Kiris Gesicht leuchtete, als wäre es aus Phosphor. Seine Armmuskeln wölbten sich, seine Fäuste schlugen in die Luft, seine Brust keuchte:

«Mein Schwert!»

Dann stürzte er an dem Mädchen vorüber in das Lackhaus und zerbrach die Wandschranktür, die sich nicht sofort öffnete. Aber kaum berührten seine Finger das Schwert, das dort in seidenem Futteral lag, da fiel der Mann weich wie Schaum zusammen und warf sich schluchzend und weinend auf die Diele und preßte sein Schwert an seine Brust, als wäre es seine wiedergefundene Geliebte.

Eine Weile noch tobte sein Stöhnen, sein Schluchzen. Dann hob er sein tränenüberströmtes Gesicht, setzte sich mit gekreuzten Beinen ruhig auf den Boden, löste den Seidengürtel seines Obergewandes, zog das kurze Schwert aus der dicken geschnitzten Elfenbeinscheide, strich mit der äußerst feinen Schneide des Schwertes über den Haarbüschel an seiner nackten Brust, schnitt ihn glatt ab und lächelte eine Sekunde zufrieden über die gute, treue Schärfe des Stahls. Dann sagte er ruhig, beherrscht zu dem Mädchen, mit einem Tonfall und einer Stimme, als wäre nichts geschehen:

«Mach dich bereit! Wir müssen jetzt sterben!»

Das Mädchen, das ihm in das Haus gefolgt war, kauerte neben ihm, willenlos und bleich wie eine hingewehte weiße Feder. Sie antwortete ihm nur mit dem einen Wort:

«Geliebter!»

Aber diese Antwort brachte wieder den alten Sturm in Kiri herauf. Alle Muskeln an seinem Leibe zuckten, als würden sie von Zangen zerrissen. Darf je ein Samurai sein Schwert verlassen? Hatten nicht die Gongs der Tempel und selbst der große Kriegsgong, der tief in der Erde begraben ist, Kiri und sein Schwert vor Wochen gerufen? Die Erde hätte ihn mit ihrem Feuer verschlungen, wenn er nicht in den Krieg gegangen wäre; denn jeder Samurai ist der Sohn der Erde und der Sohn des Feuers. Beide Gewalten haben ihn geboren. Nur das Wasser hat nichts mit seiner Geburt zu schaffen. Dem Wasser ist er fremd, und es erkennt den Samurai nicht an, nicht den Krieger, denn das Wasser ist sanft und ausweichend. Und das Wasser ist der Tod des kriegerischen Feuers.